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Auf den Frust folgte bei Patrick Heuscher die Freude

Patrick Heuscher fehlte in Moskau ein einziger Punkt, um mit seinem neuen Partner Jefferson Bellaguarda erstmals ein Turnier der World Tour zu gewinnen. Nach dem verlorenen Grand-Slam-Final schätzte der Thurgauer die eigene Leistung bewusst ohne Euphorie ein.

Als Lautsprecher sind Heuscher/Bellaguarda auf der Tour nicht bekannt. Extrovertierte Gesten überlassen die 34-Jährigen lieber anderen. Und liefern stattdessen Leistung auf dem Court ab. Nach vier von sechs Grand Slams der Saison, jenen Turnieren mit den meisten Punkten, haben sie die Ränge 2 (Moskau), 3 (Peking), 5 (Stavanger) und 17 (Gstaad) vorzuweisen. In den nächsten drei Wochen stehen für die formstarken Routiniers noch die Grossturniere von Stare Jablonki (Pol) und Klagenfurt im Programm.

 

Die erneute Top-Klassierung in der russischen Hauptstadt zeitigte für Heuscher/Bellaguarda in der neuen Weltrangliste angenehme Folgen. Sie rückten von Rang 10 auf 7 vor. Für Bellaguarda aber kein Grund, abzuheben. "Jetzt geniessen wir erst einmal unseren Erfolg. Solche Momente sind wichtig für uns Profisportler. Sie zeigen, wo wir stehen, wo unsere Grenzen sind, wie weit wir noch gehen können."

 

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Patrick Heuscher, in Moskau standen alle Zeichen auf Sieg. Sie führten im dritten Satz 12:8, hatten wenig später zwei Matchbälle. Was überwiegt, der Frust über den verpassten Turniersieg oder die Freude über die Bestätigung der guten Grand-Slam-Resultate?

 

"Wir waren wirklich sehr, sehr nah dran. In der ersten Sekunde nach dem Spiel wusste ich, wir haben den Sieg vergeben. Erst später konnte ich mich über unsere starke Leistung im Final freuen."

 

Wie stufen Sie die Leistungen von Moskau generell und vor allem jene im spannenden Endspiel ein?

 

"Wir waren gegen Emanuel/Alison schon näher am perfekten Spiel als auch schon. Taktisch haben wir vieles richtig gemacht. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Es ist alles sehr nah beisammen und man muss die Siege nehmen, wenn sie kommen."

 

Gab es im Verlauf des Turniers heikle Momente zu überstehen?

 

"Ja, die gab es sehr wohl. Im Viertelfinal gegen Thiago/Harley hätten wir eigentlich verlieren müssen. Die Brasilianer haben den ersten Satz gewonnen, im zweiten Satz 16:12 geführt und richtig gut serviert. Sie hatten davor schon bei böigem Wind Brink/Reckermann regelrecht vom Feld serviert. Wieso sie dann gegen uns ab Mitte des zweiten Satzes keine Sprungservice mehr boten, weiss wohl niemand..."

 

Sie und ihr Partner wirken auf dem Spielfeld sehr locker. Bei Bellaguarda wusste man um diese Coolness...

 

"Im Moment macht es extrem viel Spass zu spielen und zu trainieren. Wenn es ernst gilt, bleiben wir beide auch in heiklen Situationen immer sehr ruhig und glauben stets an unsere Chancen. Wir sind von unseren Trainern Markus Egger und Sebastian Beck sehr gut betreut und kommen in unserem Spiel immer weiter. Unsere temporäre Schwächen in Block und in der Defensive, wie wir sie in Gstaad zeigten, konnten wir in drei gezielten Trainings massiv ausmerzen. Das Spiel ist aber im Grundaufbau schon sehr solide. Im Aufschlag sehe ich immer noch viel Potenzial."

 

An der WM in Rom reichte es Ihnen, wie allen Schweizer Duos, nur zum geteilten 17. Rang. Ist seitdem etwas passiert, dass der Knopf aufging?

 

Heuscher: "Am Anfang waren wir in Rom nach den langen Reisen nach Russland, weiter nach China und dann nach Italien einfach nur müde und ausgelaugt. Die Leistung im Sechzehntelfinal gegen die Spanier Herrera/Gavira fand ich trotz der Niederlage richtig gut. Die spielen seit Jahren nun schon an der Weltspitze. Wir haben dort wirklich gut gespielt. Es ist einfach eng beisammen."

 

Also war das Schlussresultat von Rom ein 'Ausrutscher'?

 

Heuscher: "Wir versuchen, uns weniger am Resultat zu messen als an der Leistung an sich. Deshalb war ich in Rom zwar enttäuscht. Wenn man aber die Umstände betrachtet, relativiert sich alles wieder. Auch in Gstaad war ich nach der Niederlage in der ersten K.o.-Runde gegen die Deutschen Erdmann/Matysik nicht mega enttäuscht. Aus dem selben Grund wie anfangs erwähnt."

 

Durch die praktisch konstant guten Leistungen der letzten Wochen sind Sie in der Weltrangliste auf Rang 7 vorgerückt. Das Ticket für die Olympischen Spiele 2012 ist abholbereit..."

 

Heuscher: "Sicher sind wir näher dran als auch schon. Aber es braucht noch mehr. Wichtig ist, dass wir konzentriert weiter arbeiten. Egal, welches Resultat wir gerade erreichen haben."

Kategorie: Beachvolleyball