Foto: zVg / màd

«Ich hatte mit dem Hallenvolleyball bereits abgeschlossen»

#NLAInside | Linus Deecke war bis 2024 im Beachvolleyball Nachwuchskader. Seit dieser Saison steht er bei Volley Näfels als zweiter Zuspieler unter Vertrag. Wieso er sich im Glarnerland wohlfühlt, welches sein bisheriges Highlight war und wie die Stimmung im Team trotz angespannter finanzieller Situation im Verein ist, erfährst du im Portrait. 

Wieso landet ein ehemaliger Schweizer Nachwuchsathlet im Beachvolleyball ohne jegliche NLA-Vergangenheit plötzlich bei Volley Näfels im Glarnerland? «Die Antwort darauf ist eine lustige Story», so Linus Deecke: «Ich war gerade in der Uni-Bibliothek am Lernen, als mich Ivan (Anm.: Sportchef von Volley Näfels) anrief und mich fragte, ob ich als zweiter Zuspieler zu Näfels kommen möchte.» Für den gebürtigen Basler ein Anruf, mit dem er so überhaupt nicht gerechnet hatte. Für die Zusage brauchte Linus einiges an Bedenkzeit. Nicht zuletzt, weil er bei seiner letzten Station in der Halle in der Saison 2022/23 bei City Volley Basel als Aussenangreifer im Einsatz stand: «Im Kopf hatte ich mit Hallenvolleyball eigentlich bereits so ziemlich abgeschlossen. Nun musste ich mir die Frage stellen, ob ich überhaupt zurück in die Halle will.» Schliesslich konnte Linus diese Frage für sich selbst mit «ja» beantworten und unterschrieb. Ein wesentlicher Punkt, der ihm bei seiner Entscheidung half, war, dass das Zuspiel schon immer seine Lieblingsposition war. 

Mit Volley Näfels im Hoch

Der bisherige Saisonverlauf von Volley Näfels liest sich wie ein Märchen: Das Team grüsst aktuell von der Tabellenspitze und ist in sämtlichen Wettbewerben noch vertreten. Vor Heimpublikum ist man noch ungeschlagen und auch im Mobiliar Volley Cup und im Europacup ist Näfels auf Kurs. In letzterem Wettbewerb kam es für Linus auch zu seinem ganz persönlichen Highlight: Während er in der Meisterschaft nur wenig Einsatzzeit erhält, durfte er in einem Europacup Auswärtsspiel spielen und einen wichtigen Sieg feiern. «Ich wusste natürlich schon vor Saisonbeginn, dass ich zweiter Zuspieler sein würde. Wenn ich gebraucht werde, bin ich aber da und konnte in meinen Einsätzen auch jeweils das zeigen, was ich kann», so der 21-Jährige zu seiner Rolle. Seine Rolle im Team kennt nicht nur er, sondern alle Spieler. Ein wichtiger Grund in Linus’ Augen, weshalb Volley Näfels in dieser Saison so stark ist: «Jeder Spieler denkt an das grössere Ganze und stellt sein eigenes Ego zurück. Dies hilft, um eine ausgeglichene und konstruktive Teamdynamik aufzubauen.» 

Beeindruckende Solidarität 

Während es bei Volley Näfels sportlich rund läuft, plagen den Verein bekanntermassen finanzielle Sorgen. Viel davon bekommt Linus als Spieler nicht mit, Einbussen gäbe es praktisch keine. Dennoch sei das Thema omnipräsent im Verein. Besonders der Spendenaufruf war für Linus überwältigend: «Dass so viele Personen den Verein in so kurzer Zeit unterstützt haben, war beeindruckend.» Fast noch mehr beeindruckt ihn die Hilfsbereitschaft und die Freiwilligenarbeit, die im Verein und rund um das NLA-Team geleistet wird: «Wie viele Ehrenamtliche an jedem Heimspiel im Einsatz stehen und mithelfen, beeindruckt mich jedes Wochenende aufs Neue», zeigt sich der Basler in Glarner Diensten dankbar. 

Wie weiter?

Nebst den täglichen Abendtrainings in Näfels studiert Linus an der Universität in Zürich Betriebswirtschaftslehre und Banking and Finance. Linus wohnt in Zürich, pendelt aber jeden Tag – wenn es die Zeit zulässt auch für die Morgentrainings – ins Glarnerland zum Training. Die Einheiten im Fitnesscenter absolviert er in Zürich. Als wäre dies noch nicht genug, macht Linus aktuell während seinen Semesterferien ein Praktikum im Bereich Portfolio-Management. Kein Wunder, kommen da seine Hobbys Ski- und Velofahren etwas zu kurz. Auf die Frage, welche Ziele er sich im Volleyball gesetzt hat, muss Linus einen Moment überlegen – schliesslich hat er sich im Volleyball längere Zeit über keine mehr setzen müssen. Nach einiger Überlegung meint er: «Mein Ziel ist es, herauszufinden, welches meine Ziele sind. Wo liegt mein Potenzial? Wie lässt sich der Sport mit meinen beruflichen Zielen vereinen?» Klar ist einzig, eine Rückkehr in den Sand ist – zumindest in professioneller Hinsicht – ausgeschlossen. In der Halle könnte es aber durchaus weitergehen: «Ich spiele, weil ich Freude habe und solange ich Freude habe, spiele ich», lacht Linus. Wir hoffen, dass die Freude noch möglichst lange anhält! 

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Entweder-oder-Fragen

Swiss Volley, 23.01.2026

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