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Philippe Saxer: „Dann liegt für beide Teams ein olympisches Diplom drin.“

Beachvolleyball & Copacabana & Olympische Spiele – eine Begriffskombination, die jedem Volleyball-Fan die farbenprächtigsten Bilder ins Kopfkino zaubert. Auch unserer Schweizer Beachvolleyball-Delegation, bei der alles bereit ist für den grossen Auftritt. Wenige Tage vor dem Abflug nach Rio spricht Teamchef Philippe Saxer im Interview über die konkreten Zielsetzungen, spezielle Herausforderungen vor Ort und worauf er sich persönlich ganz besonders freut.

Philippe Saxer, Teamchef Beachvolleyball. ©Stephan Boegli

Philippe Saxer, es haben sich zwei Schweizer Frauenteams für Rio 2016 qualifiziert, bei den Männern hingegen findet Olympia erstmals seit Sydney 2000 ohne Schweizer Beteiligung statt. Wie schätzt du als Direktor Beachvolleyball von Swiss Volley diese Ausgangslage ein?
Dass die beiden Frauenteams die Olympiaqualifikation direkt via Ranking geschafft haben, und dies mit Rang 12 und 14 so souverän, ist grossartig. Natürlich hätten wir auch gerne ein Männerteam dabei. Dass wir uns weder über das Ranking noch über den Continental Cup einen Startplatz sichern konnten, ist schade und sicher auch enttäuschend. Das hatten wir uns zu Beginn des Olympiazyklus vor vier Jahren anders vorgenommen.
 
Die Gruppenauslosung hat den beiden Schweizer Teams zum Teil happige Gegnerinnen beschert, wie siehst du die Chancen auf ein Weiterkommen?
An Olympischen Spielen gibt es aus meiner Sicht per se keine einfachen Spiele. Auch die zwei, drei vermeintlichen Exoten sind keine Selbstläufer. Forrer/Vergé-Dépré haben mit der dreifachen Olympiasiegerin Kerri Walsh und April Ross aus den USA einen harten Brocken in der Gruppe, die beiden anderen Teams konnten sie jedoch auf der World Tour bereits besiegen. Die Gruppe von Zumkehr/Heidrich schätze ich ausgeglichener ein. Jeder kann jeden schlagen, da wird auch die Tagesform eine Rolle spielen.
 
Welche konkrete Zielsetzung habt ihr aufgrund dieser Ausgangslage definiert?
Wir gehen nicht nach Rio, um ein paar hübsche Ferienfotos zu schiessen. Wir wollen mehr. Wenn es unseren Teams gelingt, sich in den drei Gruppenspielen voll zu fokussieren und ihre Bestleistung abzurufen, ist viel möglich. Das erste Ziel heisst darum, sich für die Achtelfinals zu qualifizieren, dafür muss man mindestens Gruppendritte werden. Danach muss man auf ein günstiges Los hoffen, damit würde für beide Teams ein Diplom drin liegen. Und wenn es dann noch weiter gehen sollte, lassen wir uns einfach überraschen.
 
Habt ihr spezielle Massnahmen ergriffen, die das berühmte Zünglein an der Waage sein könnten?
Das Spiel- und Trainingsgelände an der Copacabana liegt weit weg vom Olympischen Dorf, wo die Spielerinnen wohnen und essen. An Spieltagen müssten sie gleich zweimal hin und zurück fahren. Ob der Shuttlebus 45 oder 90 Minuten für einen Weg benötigt, konnte uns im Vorfeld aber niemand garantieren. Deshalb haben wir Hotelzimmer gebucht, die vom Stadion aus zu Fuss in maximal zehn Minuten erreichbar sind. Weniger Transportweg bedeutet mehr wertvolle Erholungszeit. Hier konnten wir mit der Unterstützung von Swiss Olympic optimale Rahmenbedingungen schaffen.
 
Was wird in Rio im Unterschied zur World Tour anders?
Der Spielmodus unterscheidet sich insofern, dass in Rio die Gruppenphase über sechs Tage gespielt wird und die Teams demnach nur alle zwei Tage im Einsatz sind. Auf der World Tour werden jeweils mehrere Matches pro Tag gespielt. Ausserdem ist es ungewohnt, nach 21 Uhr und unter Flutlicht zu spielen, die letzten Spiele werden in Rio gar erst um Mitternacht Lokalzeit angepfiffen. Darauf gilt es sich einzustellen. Von den vier Spielerinnen sind drei zum ersten Mal an Olympischen Spielen dabei. Alles ist gross, neu und es gibt viel, das ablenkt. Das geht an niemandem spurlos vorbei. Deswegen stehen die ersten zwei Tage vor Ort unter dem Motto „Olympia aufsaugen und angewöhnen“, danach sollen sich die Spielerinnen in ihren Tunnel zurückziehen und sich voll auf den Sport konzentrieren.
 
Am Montag fliegt die Schweizer Beach-Delegation nach Rio. Worauf freust du dich besonders?
Wir haben sehr viel Energie in die Qualifikationsphase und die Vorbereitungen gesteckt, haben versucht, alles möglich zu machen. Nun bin ich erstmal froh, wenn ich am 1. August endlich im Flugzeug sitze und es definitiv losgeht. Volleyball und Beachvolleyball geniessen in Brasilien einen enorm hohen Stellenwert. Beim Gedanken an olympisches Beachvolleyball an der Copacabana bekomme wohl nicht nur ich Gänsehaut. Die brasilianischen Teams werden vor dem Heimpublikum gewaltig unter Druck stehen, dafür wird die Stimmung umso grossartiger. Der sportliche Erfolg unserer Teams steht natürlich auch bei mir als Teamchef an erster Stelle, aber ich hoffe sehr, auch einmal ein Indoor-Spiele in der altehrwürdige Maracanãzinho-Halle zu sehen …

© Swiss Volley

Kategorie: Rio Beach