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Personenis finaler Traum ging in Erfüllung

Zum Abschlus seiner zwölfjährigen internationalen Schiedsrichterkarriere ist der finale Traum des Thurgauers Jonas Personeni (33) in Erfüllung gegangen: Er durfte den olympischen Männerfinal zwischen den Brasilianern Alison/Schmidt und den Italienern Nicolai/Lupo arbitrieren. Höhepunkt und Abschied zugleich.

Hat gut lachen - Jonas Personeni auf dem Schiedsrichterstuhl in Rio. ©FIVB

Jonas im Einsatz als Challenge Referee. ©FIVB

Blieb immer ruhig, auch in der Diskussion mit Spielern, hier mit Daniele Lupo im Final. ©FIVB

Nichts zu wollen. Allzu oft legen sich die Spieler nicht mit Jonas Personeni an. ©FIVB

Es regnet in Strömen an der Copacabana. Mit Regenjacke steht Jonas Personeni auf dem Schiedsrichterstuhl. Den schrillen Rahmen bilden 12’000 heissblütige brasilianische Fans. Ungerührt lässt der Amriswiler die Regentropfen auf seine Schirmmütze prasseln. Noch einmal ist Höchstkonzentration gefragt, in seinem allerletzten Spiel als Schiedsrichter, im wichtigsten Spiel seiner Karriere – im Olympiafinal der Männer von Rio. Ja keinen Fehler machen, total neutral bleiben im Spiel Europa gegen Südamerika – notabene als Schiedsrichter aus Europa, im Hexenkessel an der Copacabana. Diese Spielzuteilung zeigt die grosse Wertschätzung, die dem Schweizer Schiedsrichter zum Ende seiner 12 Jahre langen internationalen Karriere zu Teil wurde. Der finale Traum des Joans Personeni ist also Realität geworden. Es war die verdiente Krönung an seinen dritten Olympischen Spielen, im genau 2580. und allerletzten Spiel. Auch das Schweizer Fernsehen wollte den “5. Schweizer Beacher” in Rio zum Abschluss entsprechend würdigen, doch kam ein geplanter Auftritt im TV-Studio an der Ipanema–Beach wegen Terminkollisionen nicht zu Stande.

Jonas, dein finaler Traum ist in Erfüllung gegangen. Wie hast du das erfahren und wie hast du reagiert?
Ich habe mich natürlich riesig gefreut, dass dieser Traum wahr geworden ist. Erfahren habe ich es zwei Stunden vor dem Bronzespiel, via Anschlagbrett in der Schiedsrichter-Lounge. Und da haben mir alle anderen Schiedsrichter natürlich gratuliert.

Du hast vor dem Turnier gesagt, so etwas könne man nicht planen, da müsse so viel zusammen spielen, dass es so kommen könnte. Wann hast du gedacht, dass es schliesslich klappen könnte?

Ich denke, als ich den Viertelfinal zwischen Alison/Schmidt und Dalhausser/Lucena bekommen habe, wusste ich, dass dies so etwas wie die Hauptprobe sein könnte. Zudem habe ich im ganzen Turnier nie problematische Situationen gehabt, es lief mir gut.

Gab diese Spielzuteilung – ein Europäer pfeift ein Endspiel Europa gegen Brasilien – nicht zu reden?
Früher schaute man da auf strikte Neutralität und man hätte wohl einen Asiaten nominiert. Aber für diese Spiele hat man die Politik geändert: Es wurde die Devise beschlossen, dass die Besten die Endspiele pfeifen sollen. So hat ja auch schon ein Spanier das Frauenfinale Deutschland gegen Brasilien bekommen.

Wie war das für dich, hast du Druck gespürt, warst du nervös?
Lustigerweise war ich überhaupt nicht nervös. Ich spürte einfach eine riesige Freude und bin mit dieser Freude ins Spiel gegangen. Das begann ja bei 0:0 gleich mit einer Challenge, welche die Brasilianer erfolgreich eingaben wegen Touché. Es war eine dieser Berührungen, die man als Schiedsrichter einfach nicht sehen kann. Ich blieb aber auch danach sehr entspannt.

Bei Matchball gab es aber intensive Reklamationen der Italiener, als du gegen sie entschieden hast.
Ich hatte bei dieser Situation nicht ganz ideale Sicht und habe deshalb Rücksprache mit dem 2. Schiedsrichter genommen. Ich habe zwei Berührungen bei Lupo gesehen und gepfiffen. Wenn man sehr grosszügig ist, kann man die erste Berührung als Blockberührung definieren, wobei meiner Meinung nach der Ball eben schon unter der Netzkante war. Wenn es aber ein Block gewesen wäre, dann wären es vier Berührungen gewesen. Nach dem Spiel ist mir Lupo begegnet und wir haben miteinander gesprochen. Er sagte, dass er schon am Ball gewesen sei und damit war das geklärt, dass es vier Berührungen gewesen sind.

Welchen Platz wird nun dieser Olympiafinal in der Reihe aller 2580 arbitrierten Spiele bekommen?

Das war sicher das wichtigste Spiel meiner Karriere. Aber auch andere Spiele werden einen wichtigen Platz haben, wie etwa die WM-Finals der Männer in Den Haag 2015 oder der Frauen in Rom 2011. In fester Erinnerung sind auch die Abschiedsspiele der grossen Schweizer Namen wie etwa Kobel, Heuscher, Bellaguarda und Laciga.

Nun folgt eine neue Herausforderung, du engagierst dich fortan als Leiter Kommunikation bei Swiss Volley. Mit welchen Zielen gehst du diese neue Aufgabe an?
Ich wünsche mir für den Volleyballsport mehr Aufmerksamkeit und mehr Präsenz in den Medien und werde mich dafür einsetzen, dass wir wahrgenommen werden. Ausserdem möchte ich die Kommunikation und Dienstleistungen seitens Verband optimieren, um unseren Mitgliedern den bestmöglichen Service zu bieten.


© Andreas Eisenring

Kategorie: Rio Beach