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Nach den Männern stehen jetzt die Frauen im olympischen Fokus

In Rio de Janeiro werden zum sechsten Mal Olympische Medaillen im Beachvolleyball vergeben. Und zum ersten Mal ist die Schweiz mit zwei Frauenduos am Start – mit Isabelle Forrer/Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich/Nadine Zumkehr . nach der Olympia-Premiere 1996 in Atlanta sind die Männer hingegen zum zweiten Mal nicht vertreten.

Paul Laciga, Schweizer Beachvolleyball-Pionier. ©Andreas Eisenring

Patrick Heuscher und Stefan Kobel gewinnen in Athen 2004 die Bronzemedaille. ©Andreas Eisenring

In London 2012 holen Simone Kuhn und Nadine Zumkehr den ausgezeichneten 9. Rang. ©Andreas Eisenring

Die Geschichte des Schweizer Beachvolleyballs wird in der Anfangszeit und bis London 2012 geprägt  von den Männern: Die erfolgshungrigen Gebrüder Paul und Martin Laciga sind die internationalen Pioniere, welche „rücksichtslos professionell“ in die Beachwelt eintauchen und die gestandenen Nationen (Brasilien, USA) herausfordern. Dies, weil sie ihren eigenen konsequenten, bislang sturen Weg gehen - auch auf die eigene ungewöhnliche Partnerschaft bezogen.

Pionier-Brüder Laciga
1999 holen sie in Marseille sensationell WM-Silber und der steile Weg nach oben scheint an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney ungebremst eine Fortsetzung zu finden. Bei einem 11:6-Vorsprung (notabene bei alter Zählweise – also Punktgewinn nur bei eigenem Service möglich – Spiel dauert nur einen Satz à 15 Punkte) im Viertelfinal gegen die Portugiesen Maia/Brenha sind die Medaillenspiele greifbar nah, doch dann folgt der „grösste Filmriss der Schweizer Beachgeschichte“ – 9 Gegenpunkte in Folge bei eigener Annahme – 11:15-Niederlage – aus der Traum. „Das war das grösste Loch meiner Karriere“, bringt Paul Laciga sein Karriere-Blackout auf den Punkt.

Athen 2004: Olympiabronze!
Vier Jahre später kommt es zu einem epischen Dreikampf um zwei Olympiatickets! Von den drei Schweizer Topten-Teams bleiben Heyer/Egger (knapp) auf der Strecke. Die Lacigas werden in Athen erneut Olympiafünfte, scheitern im Viertelfinal an den nachmaligen Olympiasiegern Ricardo/Emanuel. Dafür gelingt Stefan Kobel/Patrick Heuscher das Turnier ihres Lebens und die beiden holen mit dem 15:13 im Tie-Break die Bronzemedaille gegen die Australier Prosser/Williams – ein Sieg für die Geschichtsbücher.

Die Frauen sind in Athen erstmals dabei: Simone Kuhn (damals 23-jährig) und Nicole Schnyder-Benoit erreichen Rang 19, ebenso wie Simone Kuhn/Lea Schwer in Peking 2008. In London 2012 holt dann Kuhn (mit Nadine Zumkehr) bei ihrer dritten olympischen Teilnahme den ausgezeichneten 9. Rang.
 
Auch Frauen wagten den Schritt ins Profitum
Inzwischen sind im Männerbereich, nach dem Rücktritt der letzten grossen (Pionier-) Namen, harte Zeiten angebrochen – nach beispiellosen Erfolgen bis 2008 (Olympiabronze,  zweimal WM-Silber, 13 EM-Medaillen, darunter vier goldene, 43 Podestplätze auf der World Tour, darunter 9 Siege).
Umso erfreulicher ist der Vormarsch im Frauenbereich. Während in den Nullerjahren die Frauen meist Teilzeitprofis waren und nur sporadisch an internationalen Turnieren aufkreuzten, hat sich inzwischen eine neue Generation Spielerinnen voll und ganz dem Sandzirkus verschrieben. Mit dem Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur (z.B. Nationales Leistungszentrum Bern) wagten auch die Frauenteams  konsequent den Weg, ganz auf Sand zu bauen und auch persönliche Ausbildungspläne hintan zu stellen – mit dem Ergebnis, dass jetzt gleich zwei Frauenteams sich in die absolute Weltelite gespielt haben. Und seit 2008 haben die Frauen auch bereits 5 Siege auf der World Tour geholt.

In Rio wird Nadine Zumkehr die einzige des Schweizer Quartetts sein mit Olympiaerfahrung. „ Das ist sehr hilfreich, dass ich schon in London dabei war“, meint Routinier Zumkehr, „ ich weiss jetzt, was auf mich zukommt, es ist nicht mehr soviel ungewiss wie vor vier Jahren, ich kann Rio viel bewusster und auch entspannter angehen als London und die Vorfreude  ist bereits riesig.“ Wetten, dass der eine oder andere Tipp an die olympischen Kolleginnen viel wert sein kann? Angesichts der happigen Gegnerinnen  werden die Schweizerinnen jedenfalls jedes noch so kleine Mosaiksteinchen brauchen können, um in Rio nicht nur dabei sein, sondern auch möglichst lange mitreden zu können.

Rio 2016
Die in Gstaad ausgelosten Vorrundengruppen bescherten den Schweizerinnen fast durchwegs namhafte Gegnerinnen – auch wurde ihnen keines der auf dem Papier sogenannt schwächeren Team zugelost.

Gruppe C: Kerri Walsh Jennings/April Ross (USA), Isabelle Forrer/Anouk Vergé-Dépré (SUI), Wang Fan/Yue Yuan (CHN), Mariafe Artacho/Nicole Laird (AUS).

Gruppe E: Heather Bansley/Sarah Pavan (CAN), Karla Borger/Britta Büthe (GER), Joana Heidrich/Nadine Zumkehr (SUI), Jantine van der Vliest/Sophie van Gestel (NED).

Spielplan Gruppenphase
Die Spiele der Schweizer Frauen-Teams wurden mehrheitlich abends (Lokalzeit / Schweiz + 5 Stunden) angesetzt. Am Samstag, den 6.8.2016 um 23:00 starten Isabelle Forrer und Anouk Vérgé-Dépré gegen die Chinesinnen Wang/Yue ins Turnier, Joana Heidrich und Nadine Zumkehr folgen am Sonntag um 21:00 gegen Borger/Büthe (GER). Ihr zweites Poolspiel bestreiten Forrer/Vérgé-Dépré am 8.8.2016 um 10:00 gegen Artacho del Solar/Laird (AUS). Am 9.8.2016 um 24:00 treten Heidrich/Zumkehr gegen die Kanadierinnen Pavan/Bansley an. Im dritten und letzten Spiel der Gruppenphase am 10.8.2016 treffen Forrer/Vergé-Dépré um 21:00 auf die 3-fache Olympiasiegerin Kerri Walsh-Jennings mit April Ross an ihrer Seite. Heidrich/Zumkehr schliessen die Gruppenphase mit dem Spiel gegen van Gestel/van der Vlist am 11.8.2016 um 18:30 ab.

Modus
Pro Geschlecht sechs Gruppen à vier Teams. Alle Gruppensieger und Gruppenzweiten sowie die besten zwei Dritten qualifizieren sich direkt für die Achtelfinals. Die restlichen vier Drittklassierten ermitteln in einer Barrage die letzten zwei Achtelfinalisten. Bei Punktgleichheit zweier Teams entscheidet die Direktbegegnung, bei drei Teams das Punkteverhältnis aus den Direktbegegnungen.

© Andreas Eisenring

Kategorie: Rio Beach