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Heisse Stimmung, grosse Emotionen, viel Dramatik und ein historisches Diplom – unser Rückblick auf Rio 2016

Die Olympischen Spiele 2016 in Rio sind Geschichte. In Erinnerung bleiben uns nicht nur das einzigartige Stadion an der Copacabana mit den lautstark mitgehenden brasilianischen Fans, sondern auch abgewehrte Matchbälle, revidierte Schiedsrichter-Entscheidungen, Physio-Notfalleinsätze, Tränen der Enttäuschung und „Monsterblocks“. Die beiden Schweizer Beach-Duos haben in Rio grossartige Auftritte in den olympischen Sand gezaubert, das Viertelfinalmatch von Heidrich/Zumkehr lockte mehr als 600‘000 Schweizerinnen und Schweizer vor den TV. Wir haben die eindrücklichsten Momente sowie die Bilanz von Teamchef Philippe Saxer in zehn Punkten zusammengefasst.

1    Der Ort: Brasilien, Copacabana, Beachvolleyball. Diese Begriffe allein reichen aus, um Gänsehaut zu spüren. Wenn Olympische Spiele und ein 12‘000 Zuschauer fassendes, zum Meer offenes Stadion dazukommen, ist das Beachvolleyball-Glück perfekt. Sowohl vor Ort wie auch am TV begeisterten uns die Bilder dieser imposanten Kulisse.

2    Die Stimmung: Brasilien ist anders. Das lernten die ausländischen Athleten und Zuschauer in Rio schnell. Die einheimischen Starter werden mit Fahnen und Trompeten, mit der lautesten Stimmkraft, Gesang und Tanz unterstützt. Die Gegner mit dem Gegenteil, mit Nichtbeachtung, mit Stille, mit Pfiffen, mit Gesten, die bei uns als „unter der Gürtellinie“ gelten. Darauf musste man sich als Athlet einstellen. Und unsere vier Schweizerinnen haben das in grandioser Art und Weise geschafft.

3    Der Schiedsrichter-Bock
: Matchball gegen Isa und Anouk, die Chinesinnen verlangen eine Challenge. Sie ist erfolgreich, das Match abgepfiffen. Die Schweizerinnen insistieren, die Chinesinnen stehen schon beim Siegerinterview. Die Diskussion zwischen Schiedsrichter und Supervisor dauert ewig. Dann das Unglaubliche, der Schiedsrichter-Entscheid wird revidiert, der Punkt wiederholt – obwohl im Grunde auch dies eine Fehlentscheidung ist, der Punkt hätte den Schweizerinnen gehört. Die Chinesinnen müssen zurück ins Match. Doch sie bleiben cool und gewinnen zwei Punkte später trotzdem.

4    Der Nervenkrimi: Verlieren verboten heisst es beim zweiten Gruppenspiel von Anouk und Isa gegen die Australierinnen. Sie starten verhalten, werden aber immer besser. Zum Schluss ist es eng, sehr eng. Matchbälle hier und dort, allesamt abgewehrt, vier, fünf, sechs Mal. Ausscheiden oder Weiterträumen? Lächeln oder Tränen? Alles ist so nah beieinander – die Spannung kaum auszuhalten. 20:19 im Tiebreak, diesmal klappt es endlich! Die Schweiz atmet auf. Phuuu, das Abenteuer Rio geht weiter!

5    Der Schreckmoment – oder eben die Schreckmomente: Zuerst erwischt es Joana Heidrich bei einer harmlos erscheinenden Aktion am Netz. Es ist das Knie. Medical Time-out. Bangen. Tränen. Ein ruhig agierender Physio. Hoffen. Und dann tatsächlich: Aufatmen, es geht weiter für Jo! Doch damit nicht genug. Im nächsten Spiel erwischt es Isabelle Forrer. Verteidigungsaktion. Sie fliegt und landet – und steht nicht gleich wieder auf. Der Griff an den Nacken, ein schmerzverzerrtes Gesicht. Herrje. Schon wieder eilt der Physio herbei. Wir sehen die Zeitlupe – und es schmerzt nur schon beim Zusehen. Immer wieder. Aber Isa ist hart im Nehmen, obwohl ihr schlecht ist und der Nacken blockiert. Sie spielt das Tiebreak zu Ende!

6    Der Monsterblock: Ein wunderbar klingendes Wort, so absolut passend zur dazugehörenden Aktion. Laut ausgerufen wird es von SRF-Kommentator Sascha Ruefer zelebriert, und wird Kult. Weil Anouk und Joana auf Weltklasse-Niveau blocken. Beide gehören zu den besten Blockerinnen des gesamten Olympiaturniers. Wunderbar die Zeitlupenbilder der bis in die rot-weiss lackierten Fingernägel angespannten Arme. Sie packen diese Gewinnpunkte immer wieder aus, sogar Matchbälle werden damit verwandelt, bloss das eine Mal eben nicht …

7    Das Drama
: Viertelfinale. Gegen Brasilien. In Rio. Jackpot. Satz 1 ist im Trockenen. Bahnt sich hier etwa eine Überraschung an? Die ganze Schweiz scheint dieses Match am TV zu schauen. Man wird danach noch lange darüber sprechen. Über die Matchbälle. Über diesen Nervenkitzel. Über das berühmte Quäntchen Glück. Über das Spiel ihres Lebens. Jo und Nadine verlieren. Und trotzdem fliegen ihnen weltweit die Herzen zu. Wessen Auge ist da trocken geblieben? Dieses Match war das spannendste des ganzen Olympiaturniers – finden nicht nur wir Schweizer!

8    Die Siegerinnen: Erstmals aus Europa. Laura Ludwig und Kira Walkenhorst gewinnen Gold – und das mit Ansage. Macht man das? Sie schon. Und sie ziehen durch, in einer in Worte kaum zu fassenden Dominanz werden alle Gegnerinnen vom Feld gefegt. Der Sieg ist hochverdient. Wir ziehen den Hut und freuen uns daran, dass unsere beiden Duos die unmittelbare Vorbereitung vor den Spielen gemeinsam mit den späteren Olympiasiegerinnen absolviert haben. Die Freude über dieses deutsche Gold ist auch deswegen so gross, weil zwei grossartige Menschen mit einer grossartigen Crew dahinter stecken.

9    Die Bilder: Ein oder zwei Finger, die auf dem Rücken angezeigt werden. Ein Ball, der in Zeitlupe auf die Linie segelt. Die Faust, die sich ballt und in den Nachthimmel gereckt wird. Augen, in denen dieser unbändige Siegeswille so deutlich zu lesen ist. Zwei Spielerinnen, die sich an der Hand nehmen, einander in die Arme fallen, sich aufhelfen, sich pushen, sich beruhigen, sich zureden, sich freuen. Der olympische Sand, der unter den Füssen, dem Körper oder dem Ball aufspritzt. Die Challenge-Kamera, die uns zeigt ob der Ball touchiert wurde oder nicht. Egal ob Live-Bild, Nahaufnahme oder Super-Slowmotion, jeder Beachvolleyball-Fan hat in Rio Bilder erlebt, die er und sie nicht so schnell wieder vergessen wird.

10    Der Teamchef: Philippe Saxer von Swiss Volley ist positiv gestimmt, wenn er zurück an Rio denkt. „Die Auftritte unserer beiden Teams waren toll. Nicht nur sportlich, auch die Art und Weise hat mich beeindruckt.“ Das sei nicht selbstverständlich, schliesslich waren es für drei der vier Spielerinnen die ersten Olympischen Spiele. „Das Diplom von Heidrich/Zumkehr, dieser 5. Platz werten wir eindeutig als Erfolg, es ist das beste Resultat eines Schweizer Frauenteams an Olympischen Spielen. Aber auch Forrer/Vergé-Dépré haben mit Rang 9 ein gutes Resultat abgeliefert. Wir haben gesehen, dass wir nah dran sind an einer Schweizer Olympiamedaille bei den Frauen.“ Mitentscheidend für diese Erfolge sei auch die Crew im Hintergrund, bestehend aus Trainern, Physio und Mentalcoach – und auch all den Personen aus dem Umfeld, die nicht nach Rio mitreisen konnten. „Unsere Crew besteht aus unterschiedlichen Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stärken. Diese Charaktere haben sich nahezu perfekt ergänzt und bildeten so das berühmte optimale Umfeld, damit die Athletinnen in Rio ihre beste Leistung abrufen konnten. Ein grosser Dank gehört darum ihnen. Und auch wenn unsere treuen Partner und Sponsoren während der Olympischen Spiele wegen der IOC-Richtlinien keine Präsenz haben durften, ist uns bewusst, dass ohne ihre langfristige Unterstützung diese erfolgreiche Olympiamission gar nicht erst möglich gewesen wäre. Danke!“

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Kategorie: Rio Beach