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Ein Schweizer als Mexikos Captain

Carlos Guerra führt Mexikos Volleyballer an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro als Captain auf das Feld. Es sind bewegende Wochen für den langjährigen NLA-Spieler, der nach den Spielen als Schweizer in die Schweiz zurück fliegen wird.

Ein Schweizer Hallenvolleyballer an den Olympischen Spielen in Rio? Ja, denn der 35-jährige Routinier Carlos Guerra, der in der NLA schon für Näfels, Münsingen, Lausanne und Chênois gespielt hat, ist nach neun Jahren in der Schweiz heimisch geworden.

 

Der Angreifer lebt in Radelfingen, einer Gemeinde im Berner Seeland, zusammen mit seiner Frau Tanja, einer ehemaligen Beachvolleyballerin, und den drei Töchtern. Und nach seiner Rückkehr aus Rio erhält er den Schweizer Pass. "Vom Kanton habe ich nun die Bestätigung erhalten, dass meine Einbürgerung akzeptiert wurde. Ich bin extrem stolz darauf", so Guerra. "Und ja, dann bin ich der erste Schweizer (Volleyballer), der an Olympischen Spielen teilgenommen hat."

 

Das Jahr 2016 liest sich für Guerra wie ein Märchen: Im Juni die überraschende Qualifikation mit Mexiko für Rio, dann kurz darauf die Geburt seiner dritten Tochter, nun die Olympischen Spiele und die Einbürgerung sowie als Dessert noch einmal ein Wechsel innerhalb der NLA (von Chênois zu Schönenwerd). "Es ist ein unglaubliches Jahr, an das ich mich immer erinnern werde. Es ist wahnsinnig, was ich derzeit alles erlebe", sagt Guerra.

 

Die mexikanischen Volleyballer qualifizierten sich überraschend zum ersten Mal auf sportlichem Weg für Olympia, 1968 waren sie als Gastgeber gesetzt. Zum Team gehören mit Mittelblocker Tomas Aguilera (2013 Meister mit Lugano) und Trainerassistent Ivan Contreras (zwischen 1997 und 2000 dreifacher Meister und Cupsieger mit Näfels) zwei weitere Akteure mit NLA-Vergangenheit.

 

Noch müssen die Mexikaner auf ihre ersten Punktgewinne warten; die ersten zwei Partien gingen verloren. Das macht Guerra aber nicht minder stolz: "Es ist eine Ehre und ein Privileg, zu dieser Generation mexikanischer Volleyballer zu gehören. Wir hatten nie gedacht, dass wir es tatsächlich hierhin schaffen würden. Als sich die Tür nach Rio öffnete, sprangen wir regelrecht hindurch."

 

Im Auftaktspiel wartete in der Maracanãzinho-Arena ausgerechnet Gastgeber Brasilien auf Guerra und Co. "Die Energie in der Halle war unglaublich. Ich glaube, ich sprang jedes Mal fünf Zentimeter höher und schlug den Ball jedes Mal viel härter", schmunzelt Guerra, dessen Team dem Gold-Favoriten beim 1:3 immerhin einen Satz abnehmen konnte.

 

Guerra erlebt in diesen Tagen den Traum eines jeden Sportlers. Und er ist vermutlich einer der wenigen Athleten in Rio, der den Sport nur als Hobby betreibt. Guerra arbeitet in Bern seit Jahren 100 Prozent im Sportfachhandel. Wird das nicht zu viel? "Ohne das Verständnis meiner Frau wäre das nicht möglich. Sie macht einen enormen Job", so Guerra, dessen Liebste zu Hause bei den Kindern geblieben ist.

 

Nach den Olympischen Spielen will sich Guerra endgültig aus dem mexikanischen Nationalteam zurückziehen. "Ich kann nicht immer so viel reisen", sagt er. In der NLA, in der er seit Jahren zu den Besten gehört, hängt er aber sicher noch ein Jahr an. Sein Wechsel zu Schönenwerd erfolgte nicht zuletzt deshalb, weil der Weg ins Training deutlich kürzer ist und er deshalb mehr Zeit für seine Familie hat. "Wenn ich nicht zu viele Burger esse, kann ich hoffentlich noch eine Zeit lang spielen. Aber entscheidend ist die Familie."

 

COPYRIGHT by Schweizerische Depeschenagentur AG (sda/ats), Bern

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Kategorie: Rio Indoor