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«Unser Sport soll in der Wirtschaft an Bedeutung gewinnen»

Swiss Volley wird seit rund 500 Tagen von Nora Willi präsidiert. Die Bündnerin blickt im Interview zurück auf ihr erstes Jahr in diesem Ehrenamt und spricht über die Erarbeitung der neuen Verbandsstrategie sowie über Momente, in denen sie nicht nur Präsidentin, sondern auch Fan ist.

Nora Willi, Präsidentin von Swiss Volley.

Nora Willi, wie sieht deine Bilanz aus nach rund 16 Monaten im Amt?
Bei meinem Amtsantritt war klar, dass der Strategieprozess, der im Frühling 2015 begonnen hatte und nach dem Tod von Christoph Stern auf Eis gelegt worden war, schnellstmöglich wieder aufgenommen werden musste. Nun sind wir mit der Erarbeitung der ‚Strategie 2024‘ auf der Zielgeraden. 2016 war auch sportlich sehr intensiv mit der EM und der U21-WM im Beachvolleyball in der Schweiz, dazu die Olympischen Spiele mit zwei Schweizer Frauenteams sowie im Indoorbereich der Auftritt der Frauen-Nati am Montreux Volley Masters. Ausserdem sind seit 2016 dank der Zusammenarbeit zwischen Indoorsports, der Mobiliar und der SRG die Indoor-Finalspiele in Meisterschaft und Cup via Online-Livestream für ein breites Publikum zugänglich. Grossartig ist, dass wir auf Anfang 2017 den ‚Code of Conduct‘ im ganzen Verband – vom Mitarbeiter über die Kommissionsmitglieder bis zum ZV – implementieren und damit ein starkes Zeichen setzen konnten in unserem Bestreben nach einem ethisch korrekten Verhalten.

Als welchen Typ Präsidentin möchtest du wahrgenommen werden?
Mir ist es wichtig, dass wir im Zentralvorstand als Team funktionieren. Die Mitglieder des ZV sind auf unterschiedlichen Ebenen sehr erfahren und alle Meinungen sollen in unsere Entscheide einfliessen. Als Präsidentin geht es um die richtige Mischung zwischen ‚Verband führen‘ und ‚dem Verband dienen‘.

Wie nah bist du dran am operativen Geschäft, an den Tätigkeiten und Menschen in der Geschäftsstelle?
Als Präsidentin bin ich heute näher am Geschehen dran als früher als ZV-Mitglied. Der Austausch mit dem operativen Teil, also der Geschäftsstelle, ist mir sehr wichtig. In erster Linie treffe ich mich regelmässig mit dem Geschäftsführer Werner Augsburger. Ich will wissen, was geht, auch damit ich Unterstützung anbieten kann, wenn sie gefragt ist. In operative Entscheide mische ich mich aber nicht ein, diese Trennung ist mir wichtig. Ich bin immer wieder auf der Geschäftsstelle in Weissenbühl und sehe darum alle Mitarbeitenden regelmässig.

Wie gross ist der Aufwand, den du als Präsidentin betreibst?
Wir haben mit Indoor und Beach ein 12-Monatsgeschäft. Der Zeitaufwand beträgt rund 20 Prozent, was für ein Ehrenamt nicht wenig ist. Das ist aber auch völlig ok, weil ich mich ja ganz bewusst in die Themen und Herausforderungen einbringen will. Es ist an mir, eine gute Balance zu finden und meine Zeit sinnvoll in Swiss Volley zu investieren.

Wo liegen die aktuellen Herausforderungen bei Swiss Volley?
Die Finalisierung und Umsetzung der neuen Strategie stehen im Fokus. Wir haben uns für den ganzen Prozess bewusst Zeit genommen, um ein nachhaltiges Papier zu entwickeln. Zurzeit definiert die Geschäftsstelle die operativen Ziele und Massnahmen. Wir werden an der Sitzung des Zentralvorstands im Mai die ‚Strategie 2024‘ definitiv verabschieden und dann auch den Lizenzierten präsentieren können. Der Volleyball- und Beachvolleyballsport in der Schweiz braucht mehr Geld, damit unsere Athletinnen und Athleten künftig international mithalten können. Auch mehr mediale Präsenz ist ein Thema. Darum sind wir im Bereich Vermarktung stark gefordert, unser Sport soll in der Wirtschaft an Bedeutung gewinnen.

Was war das schönste, das du in deiner Funktion als Präsidentin bisher erfahren hast?

Ich war schon immer ein grosser Olympiafan und im letzten Jahr verbrachte ich in meiner Funktion als Präsidentin einige Tage in Rio. Mir war wichtig, gegenüber den Spielerinnen und Trainern Präsenz zu zeigen, sie aber gleichzeitig auch nicht zu stören. Auf der Tribüne während der Matches war ich dann mehr Fan als Präsidentin und habe lautstark mitgefiebert. Abseits der Sportstätten konnte ich viele Kontakte knüpfen. Ich repräsentiere Swiss Volley gern, für mich bleiben Sport und Wettkampf aber wichtiger als die VIP-Bar. Ein Schweizer Journalist hat mich einem Kollegen vorgestellt mit den Worten ‚Das ist mal eine Präsidentin, die nicht nur Cüpli trinkt‘ – das war ein schönes Kompliment.

Nora Willi ist 48 Jahre alt und stammt aus Chur. Mit 23 Jahren kam sie nach Bern, um in der NLA Volleyball zu spielen – geblieben ist sie bis heute. Unterdessen ist die Betriebsökonomin Unternehmerin und hat verschiedene Verwaltungsratsmandate inne. Seit 2011 ist sie Mitglied im Zentralvorstand von Swiss Volley. Ende November 2015 wurde sie zur ersten Präsidentin der Verbandsgeschichte gewählt.


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Kategorie: Swiss Volley