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Aussergerichtlicher Vergleich bei der „Ausländerregelung“

„Die Durchführung der Meisterschaft hat oberste Priorität!“

Wenige Tage vor dem Beginn der Meisterschaft gibt es im Schweizer Volleyball juristische Streitereien rund um die Ausländer-Beschränkungen in der NLA und NLB. Vier NLA-Vereine und eine Spielerin klagten gegen das neue Reglement über den Einsatz von „lokal ausgebildeten Spielerinnen und Spielern“ (LAS) und erwirkten in einem aussergerichtlichen Vergleich die Aussetzung eines Teils der neuen Regelung. Im Interview klärt Werner Augsburger, CEO von Swiss Volley, die Faktenlage und nimmt Stellung zur momentanen Situation und zum weiteren Vorgehen.


Werner Augsburger, gestern wurde bekannt, dass mehrere Parteien gegen einen Reglementspassus der neuen LAS-Regelung zivilrechtlich vorgegangen sind und einen aussergerichtlichen Vergleich erwirkten. Können Sie uns kurz über die aktuelle Faktenlage aufklären?
Im September gelangten vier NLA-Clubs in einem offenen Brief an den Zentralvorstand (ZV) von Swiss Volley, in dem einige Punkte der auf diese Saison hin ausgearbeiteten LAS-Regelung hinterfragt bzw. kritisiert wurden und verbunden mit dem Anliegen, dass das LAS-Reglement in der vorliegenden Form nicht in Kraft tritt. Natürlich haben wir die Kritikpunkte ernst genommen, im ZV ausgiebig diskutiert und den Initianten unsere Bereitschaft signalisiert, bereits im Spätherbst eine ausserordentliche NLA-Versammlung zu dieser Thematik einzuberufen. Allerdings vertrat der ZV auch von Anfang an die klare Haltung, dass es keinen Grund gibt, so kurz vor Saisonbeginn an der neuen Regelung zu rütteln bzw. diese zu kippen, schliesslich hatte diese ja auch Einfluss auf die Kaderplanung der NLA- und NLB-Vereine. Das entsprechende Schreiben des ZV blieb aber leider unbeantwortet seitens der vier Clubs.

Als Folge wurden zivilrechtliche Schritte eingeleitet, um das Anliegen durchzusetzen. Welches sind die konkreten Streitpunkte?
Volero Zürich, Volley Köniz, Sm‘Aesch-Pfeffingen und Pallavolo Lugano sowie eine ausländische Spielerin haben beim Regionalgericht Bern-Mittelland eine superprovisorische Massnahme beantragt, damit die LAS-Bestimmung ausser Kraft gesetzt wird. Das Gericht hat dies zunächst abgelehnt und Swiss Volley bis am Montag, 13. Oktober um 17 Uhr Zeit gegeben, um eine Stellungnahme einzureichen. Ein Mitunterzeichner des offenen Briefes hat sich dagegen an der Klage nicht beteiligt.

Weshalb hat Swiss Volley eine aussergerichtliche Einigung vorgeschlagen?
Weil die Durchführung der Meisterschaft für Swiss Volley absolut oberste Priorität hat! Stellen Sie sich nur einmal vor, was passieren würde, wenn ein Gericht die LAS-Regelung superprovisorisch aushebeln würde. Einerseits wäre die Gefahr von Folgeklagen beträchtlich. So hätten wir unter Umständen den Saisonstart verschieben müssen oder die Meisterschaft hätte im äussersten Fall gar nicht gewertet werden können. Im Extremfall kann ein solcher Rechtsstreit die gesamte Meisterschaft lahmlegen. Dieses Risiko konnten und durften wir auf gar keinen Fall eingehen. Das gewählte Szenario mit einem aussergerichtlichen Vergleich gewährleistet, dass wir am kommenden Samstag wie geplant in die Saison starten können. Zudem wollten wir insbesondere nicht das Risiko auf uns nehmen, dass die gesamte LAS-Regelung ausgehebelt wird und somit ausschliesslich Nicht-LAS auf dem Feld stehen.

Was beinhaltet der Vergleich?
Der Passus im LAS-Reglement, der die maximale Anzahl der Nicht-LAS-Spieler bzw. die minimale Anzahl der LAS-Spieler auf dem Matchblatt regelt, wird vorläufig sistiert. Ausserdem entfallen die zu diesem Passus vorgesehenen Sanktionen.

Die Anzahl der LAS auf dem Spielfeld wird also nicht tangiert?
Absolut korrekt, der Vergleich betrifft ausschliesslich das Matchblatt! In der NLA muss jederzeit mindestens ein LAS-Spieler auf dem Spielfeld stehen, in der NLB sind es zwei obligatorische LAS-Spieler, die auf dem Feld sein müssen. Also genau so, wie es im LAS-Reglement festgelegt ist. Ich möchte nochmals ausdrücklich betonen: Der aussergerichtliche Vergleich betrifft einzig und allein das Matchblatt und verpflichtet uns, die die ausserordentliche Nationalliga-Konferenz für alle NLA- und NLB-Clubs durchzuführen.

Was bedeutet dies für die anderen NLA- und NLB-Clubs, die sich nicht an der Klage beteiligt haben?
Die Sistierung des genannten Passuses gilt selbstverständlich für alle NLA- und NLB-Clubs.

Hat sich Swiss Volley beim Ausarbeiten des LAS-Reglements rechtlich zu wenig abgesichert?
Natürlich ist sich der ZV durchaus bewusst, dass aufgrund der heutigen Rechtslage jede Form von Ausländerbeschränkung bzw. -regelung heikel ist. Andererseits muss man aber auch sehen, dass das LAS-Reglement gemeinsam mit den NLA- und NLB-Vereinen ausgearbeitet wurde. Die Clubs hatten zwischen Februar und Mai 2014 immer wieder die Möglichkeit, sich an Meetings aktiv einzubringen. In diesem Konsultativverfahren sind diverse Anliegen eingeflossen, und viele Unstimmigkeiten konnten bereinigt werden. Aber natürlich gab es auch Punkte, in denen kein einstimmiger Konsens erzielt wurde. In solchen Fällen wurde der ZV jeweils beauftragt, eine Entscheidung zu treffen. Es war der ausdrückliche Wunsch von etlichen Clubs, eine Lösung zu definieren, die längerfristig angelegt sein sollte als ein „Gentlemen’s Agreement“, welches nach jeder Saison wieder erneuert werden muss.

Dann hätte also auch die frühere Regelung, das sogenannte „Gentlemen’s Agreement“, zivilrechtlich angefochten können?
Natürlich, das „Gentlemen’s Agreement“ war ja nichts anderes als das Ehrenwort der Clubs, sich an eine gemeinsam getroffene Abmachung zu halten. Offenbar gilt ein solches Agreement mehr als eine Regelung, die eine Entscheidung des ZV beinhaltet, die nicht einstimmig beschlossen wurde.
Im Vergleich dazu haben beispielsweise die Schweizer Eishockeyclubs ein „Gentlemen’s Agreement“, das jedes Jahr problemlos verabschiedet wird, weil die Clubs begriffen haben, dass der Anteil der ausländischen Spieler in einem sinnvollen Verhältnis zur Anzahl Schweizer Spieler gehalten werden soll. Basketball hat ebenfalls eine „Matchblatt-Lösung“, also eine Limitierung der auf dem Matchblatt aufgeführten ausländischen Spieler. Diese ist allerdings wesentlich strenger als diejenige von Swiss Volley.

Wie ist nun das weitere Vorgehen?
Swiss Volley hat im aussergerichtlichen Vergleich die Auflage erhalten, zwischen Mitte November und Mitte Dezember eine ausserordentliche NLA/NLB-Konferenz abzuhalten, um die Streitpunkte zu diskutieren und eine einvernehmliche Einigung zu finden. Genau dies hatten wir ja bereits den Initianten des offenen Briefes vorgeschlagen. Wir planen diese Konferenz mit der notwendigen Sorgfalt, weil wir im Rahmen unserer Anstrengungen im Nachwuchsbereich keinen Schritt von unserer Linie abweichen wollen. Das sind wir nicht zuletzt gegenüber unserem Parlament schuldig, das uns im letzten Herbst eine Erhöhung der Lizenzpreise bewilligt hat, um ebendiese Linie umsetzen zu können.

Hat die LAS-Regelung auf dieser Basis überhaupt eine Zukunft?
Ich bin der absoluten Überzeugung, dass uns die LAS-Regelung langfristig weiterbringt. Die Clubs sind dadurch gefordert, in die Ausbildung junger Spielerinnen und Spieler zu investieren und diese nachhaltig zu fördern. Es soll für die Vereine lohnenswert sein, in diesem Bereich zu investieren, anstatt jedes Jahr zwölf neue ausländische Profis zu verpflichten. Wenn dazu einzelne Clubs den Spielerinnen und Spielern auch auf europäischem Spitzenniveau Perspektiven bieten können, umso besser. Aber an unserer Absicht, im Nachwuchsbereich und bei der Förderung von Schweizer Spielerinnen und Spielern wichtige Akzente zu setzen, hat sich gar nichts verändert. Und zu guter Letzt: Eine ausgeglichene Liga, die mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erwecken soll, erreichen wir sicherlich nicht, indem wir den Anteil der Schweizer Spielerinnen auf ein Minimum zurückfahren.

Welche Lehren ziehen Sie aus diesem Fall?
Dass wir uns offen mit der Frage nach noch mehr Mitbestimmung in gewissen Themen auseinandersetzen müssen, wie es beispielsweise in den Nationalligen im Fussball oder Eishockey bereits heute der Fall ist. Swiss Volley ist bereit, auf diese Diskussion einzusteigen, wenn dies zu mehr Professionalität beiträgt und uns hilft, die Sportart Volleyball dank der Swiss Volley League besser zu verankern.

 

(Copyright: Swiss Volley)

Kategorie: Swiss Volley