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«Andere Partner sind erst ein Thema, wenn es für beide ein Schritt nach vorne bedeutet»

Von den aktiven Beach-Nationalteams spielen sie am längsten zusammen, nämlich schon sechs Jahre. Doch Florian Breer und Yves Haussener sind erst 18 bzw. 19 Jahre jung. Auf Juniorenstufe haben sie in der Schweiz sowohl in der Halle wie auch im Sand alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Und auch international gehören die U17-Weltmeister von 2014 zu den erfolgreichsten Schweizer Nachwuchs-Duos aller Zeiten. Im Portrait geht es unter anderem um Perspektiven und körperliche Limiten, Freundschaft als Erfolgsfaktor, um Geduld beim Schritt vom Nachwuchs zur Elite und den Hunger auf die FIVB World Tour.

Flo und Yves feierten den U17-WM-Titel 2014 in Mexiko standesgemäss (Photo: FIVB)

Mit dem Nationalteam Heidrich/Kissling nach "Feierabend" (Photo zVg)

Trotz ein paar fehlenden Zentimeter findet hier Haussener den Weg am Block vorbei. (Photo: FIVB)

Florian Breer bei einer Annahme (Photo: FIVB)

Irgendwo gestrandet an einem Flughafen ... (Photo zVg)

Schritt für Schritt in Richtung World Tour, wie hier in Gstaad 2017 (Photo: Adrian Knecht)

Das Swiss Junior National Team hatte in der Vergangenheit einiges zu feiern. (Photo: FIVB)

«Goldmedaille. Weltmeister. Das ist von Aussen gesehen natürlich das wertvollste Attribut. Für uns hat die U19 WM-Silbermedaille von 2016 allerdings einen höheren Stellenwert», sagen Florian Breer und Yves Haussener unisono. Die Matches seien viel enger gewesen, das Niveau höher, die Genugtuung, in diesem Weltklasse-Nachwuchsfeld reüssieren zu können, umso grösser. Das Duo ist sich nicht nur in diesem Punkt einig. Im Gespräch wird schnell klar, dass hier ein Team agiert, das diesen Namen auch verdient.


Fehlende Zentimeter durch Spielwitz wettgemacht


Breer/Haussener, das ist keine Zweckgemeinschaft, sondern Freundschaft. Die beiden jungen Basler lernten sich vor rund 10 Jahren im Verein SC Gym Leonhard kennen, der von Yves Vater Dani und seiner Tante Dori Hebeisen gegründet wurde. Florian fand über Beachtrainings in der Badi, die der Verein organisiert hatte, den Weg in die Halle. Mit zwei älteren Kollegen spielten sie erste Beachturniere, zuerst noch gegeneinander. Als 2011 aber nur noch sie beide U15 spielen konnten, war das Team Breer/Haussener geboren. «Natürlich sind wir unterdessen sehr eingespielt und wissen genau, was der andere braucht – auf und neben dem Feld. Das kann gerade gegen frisch zusammengestellte Teams ein Erfolgsfaktor sein», sagt Breer. Zumal die Basler ein anderes «Handicap» wettmachen müssen, denn weder Breer (1.84m) noch Haussener (1.80) sind für Volleyballer sehr gross gewachsen. «Auf Sideout und Service hat das weniger Einfluss, aber die fehlende Blockhöhe ist ein Defizit», meint Florian. Das sei aber auch Motivation: «Wir verfolgen unsere Ziele sehr konsequent. Wir müssen mehr trainieren als andere, müssen mehr investieren in Athletik und Technik. Und wir haben uns eine Extraportion Spielwitz aneignen müssen oder sind im Stande, auch mal unkonventionelle Überraschungsmomente zu kreieren, um erfolgreich zu sein», ergänzt Haussener.

Zwei Chaoten, die sich trotzdem ihren Weg machen


Florian sei als Typ der Ruhigere von ihnen beiden, sagt Yves, und ergänzt schmunzelnd: «Er schläft auch viel lieber aus als ich. Auf dem Feld ist er dann aber ein richtiger ‚Haudrauf‘.» Yves hingegen sei technisch sehr stark und habe ein feines Händchen. «Und er ist ein Lebemann, beim ihm muss von früh bis spät etwas laufen», meint Florian, der im nächsten Sommer in der Sportklasse am Gymnasium Bäumlihof die Matura machen und danach ein Jahr lang voll auf die Karte Sport – und wenn möglich eine Reise – setzen will.

Die beiden haben offensichtlich viel Spass miteinander, Meinungsverschiedenheiten würden sofort ausdiskutiert, sagen die beiden Talente mit Jahrgang 1998. Der Schritt vom Nachwuchs in die Elite hatten die Basler mit der Teilnahme an nationalen A3-Turnieren schon vor vielen Jahren eingeleitet. Unterdessen sind sie Stammgast bei der A1. International zu Spielpraxis zu kommen, sei schwierig – auch durch das verschärfte Qualifikationsprozedere der FIVB. Im Juli durften Breer/Haussener dank der Heim-Wildcard zum ersten Mal die Quali in Gstaad spielen. Auch bei CEV-Turnieren versuchen sie möglichst viele Erfahrungen zu sammeln. «Das sind dann richtige Abenteuer, wir sind alles andere als durchorganisiert», sagt Yves. Es könne schon mal vorkommen, dass sie an ein Turnier nach Russland reisten, ohne vorher Hotel oder Rückflug gebucht zu haben. «Bis jetzt ist es immer gut gekommen», schmunzelt er. «Wir haben auch immer innert kürzester Zeit ein Riesenchaos im Hotelzimmer, da geht auch mal etwas vergessen oder es bleibt etwas liegen», ergänzt Florian. Kein Wunder verzichten die beiden auf materielle Glücksbringer  «Höchstens nach einem grossen Sieg in einem grünen Shirt fragen wir manchmal, ob wir im nächsten Match wieder in grün spielen können», meint Yves, der nach der Matura 2016 in dieser Saison voll auf Beachvolleyball gesetzt hatte und demnächst anfangen wird, an der Uni Basel Sport und Geschichte zu studieren.

Der Körper und das Umfeld als Pfeiler des Erfolgs


Während Haussener von grösseren Verletzungen bisher glücklicherweise verschont blieb, laborierte Breer seit der SM 2016 bis weit in die Saison 2017 an einer hartnäckigen Entzündung im Knie. «Obwohl ich verschiedenste Therapiemethoden ausprobiert hatte, waren es schliesslich Zeit und ein behutsamer Kraftaufbau, die geholfen haben», sagt der Jüngere der beiden. Wie viele Ballsportler seien auch sie keine grossen Fans der Athletikeinheiten im Kraftraum gewesen. «Diese Verletzung hat uns beiden aber die Augen geöffnet, wie wichtig ein sauberer Aufbau langfristig ist.»

Trainiert wird das Basler Duo, das noch im jeweiligen Elternhaus wohnt, von Dori Hebeisen und Erwin Sebestyen, Yves Tante und Onkel. «Diese familiäre Unterstützung sei einer der wichtigsten Pfeiler ihres Erfolgs. «Wir haben neben Swiss Volley, dem Sport Fonds Basel und einigen privaten Gönnern ja noch keine Sponsoren, mit denen wir Trainer anstellen könnten», sagt Breer, dem es wichtig ist, neben dem Leistungssport Zeit mit der Freundin und Kollegen verbringen zu können. Im Spätherbst soll in Arlesheim ausserdem die neue Beachhalle bezugsbereit sein – ein weiterer Puzzlestein zum Erfolg.


Vorbild für Jüngere


In der Region Basel wird grundsätzlich sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet. «Vielleicht haben unsere Leistungen die Jüngeren inspiriert, und vielleicht auch etwas kleiner Spieler motiviert, weil sie gesehen haben, wie viel trotz allem möglich ist», sagt Yves. Sie selbst hätten keine Vorbilder, aber den kleineren Spielern wie dem Brasilianischen Olympiasieger Bruno würden sie gerne zu- oder eben etwas abschauen, meinen beide. Der Hunger, eines Tages selbst auf der World Tour Fuss zu fassen und sich zu etablieren, sei gross. «An den Olympischen Spielen teilzunehmen, ist unser Traum», sagt Florian. Gemeinsam? «Uns ist bewusst, dass wir zwei Defense-Spieler sind, und wir uns irgendwann werden trennen müssen, um international ganz vorne mitmischen zu können. Aber die guten Schweizer Blockspieler sind zurzeit rar gesät. Andere Partner sind erst ein Thema, wenn es für beide ein Schritt nach vorne bedeutet», sind sich Breer/Haussener einig.

U20 EM als letzter Saisonhöhepunkt


An der SM wurde Yves Haussener von Swiss Volley als Youngster of the Year ausgezeichnet. Während für das Gros der Nationalteams die Saison nun zu Ende ist, steht für Breer/Haussener ab dem 7. September in Italien noch die U20-EM auf dem Programm. «Das ist unser Jahrgang, da wollen wir unbedingt wieder einen Spitzenplatz für die Schweiz erobern», sagt Florian. Seit dem U17 WM-Gold von 2014 holte das Duo jedes Jahr eine internationale Medaille: U18 EM-Bronze 2015 sowie in der letzten Saison U19 WM-Silber sowie U20 EM-Bronze. Eine weitere U20-Medaille liegt für das sympathische Team also im Bereich des Möglichen. Genauso wie Edelmetall an Titelkämpfen auf Elite-Stufe – eines Tages. Das Zeug dazu haben sie auf jeden Fall.

Team or Dream?

Wer …

Yves sagt:

Florian sagt:

Punkte

hängt öfter am Handy?

Beide viel … Ich

Beide viel … Er

1

braucht länger im Bad?

Beide wenig … Er

Beide wenig … Ich, wenn ich mein Handy aufs WC mitnehme

1

flucht mehr?

Er

Er, aber am meisten flucht unser Trainer!

-

ist chaotischer?

Er

Ich

1

ist pünktlicher

Ich

Er

1

isst mehr Süsses?

Er

Ich

1

ist der grössere Morgenmuffel?

Er

Ich

1

kocht besser?

Er

Das Niveau ist bei beiden hoch … Ich

1

Wer tanzt besser?

Wir haben beide den gleich schlechten Tanzstil … Ich

Wir sind beide nicht super, geben aber alles … Ich

1/2

kommt bei Fans besser an?

Er, er sieht einfach besser aus

Bei den jüngeren Fans wohl ich

1

ist Chef auf / neben dem Platz?

Ich / Ich

Er / Er

1

 

 

 

lernt fleissiger fürs Studium?

Ich

Er

1

Fährt besser Auto

Ich (noch)

Noch er, ich lerne noch …

1

Fazit: 11.5/13 Punkte = altes Ehepaar :-)

©Swiss Volley

Kategorie: Beachvolleyball