News-Detail

WM-Countdown: «Eine Medaille zu erwarten ist zu früh, damit liebäugeln soll man trotzdem»

Die WM-Form stimmt. Die Schweizer Beachvolleyballerinnen glänzten in den letzten Wochen auf der FIVB World Tour: Tanja Hüberli/Nina Betschart belegten Rang 3 in Porec. Joana Heidrich/Anouk Vergé-Dépré holten Silber in Den Haag, Platz 4 in Gstaad und Platz 5 in Olsztyn. Wir fragen Philippe Saxer, Direktor Beachvolleyball bei Swiss Volley, mit welchen Zielen die Schweizer Delegation nach Wien reist, was er vom WM-Modus hält und wer denn nun die Schweizer Nummer 1 ist.

Philippe Saxer, Direktor Beachvolleyball bei Swiss Volley. (Photo: Stephan Boegli)

Philippe, die Schweizer Frauen spielen international immer häufiger um die Podestplätze, sind die beiden WM-Teams endgültig angekommen in der Weltspitze?
Die Rangierungen haben gezeigt, dass die Schweizerinnen mit den besten der Welt mithalten können, wenn sie ihr Potenzial abrufen. Ausserdem trägt die akribische Arbeit des Trainerteams das ihre dazu bei. Tanja und Nina hatten bereits 2016 mit einem 3. Rang in Klagenfurt und zwei weiteren 5. Plätzen auf sich aufmerksam gemacht. Die positive und rasche Entwicklung von Joana und Anouk hat uns gezeigt, wie viel Potenzial in dieser Teamkonstellation steckt. Die Weltspitze, also die besten 15 Teams, liegt aber sehr nah beieinander, deswegen schrauben wir die Erwartungen nun nicht in den Himmel.

In Wien sind 48 Frauenteams am Start, neben je 5 aus Brasilien und Deutschland sowie je 4 aus den USA und Kanada auch einige «Exoten», die sich nicht für Turniere der World Tour qualifizieren würden. Bist du Freund oder Feind dieses Modus?
Für die globale Entwicklung des Beachvolleyballs ist es wichtig und richtig, dass an der WM alle Kontinente vertreten sind. Neben den Top 23 der Weltrangliste erhalten aber alle Kontinentalverbände zusätzlich 5 Startplätze. Für mich keine optimale Verteilung, denn Europa hat eine hohe Dichte an starken Teams, von denen dann zu viele zu Hause bleiben müssen – wie zum Beispiel unser Schweizer Duo Beeler/Krattiger.

Welche Platzierungen müssen die Schweizer Duos erreichen, damit du zufrieden in die Schweiz zurückkehren kannst?
Die Vorrundengruppe von Heidrich/Vergé-Dépré ist eine Knacknuss. Grundsätzlich müssten es aber beide Teams aus dem Pool in die K.O.-Phase schaffen. Danach braucht es bei der Auslosung etwas Glück. Die Top-10 sind für beide Schweizer Teams das Ziel. Wenn sie einen Lauf haben, ist auch mehr möglich. Eine Schweizer Medaille zu erwarten ist sicher zu früh, aber damit liebäugeln soll man an einer WM trotzdem.

Die Schweizer WM-Teams haben letzte Woche in Olsztyn gegeneinander gespielt, mit dem besseren Ende für Joana/Anouk. Sind sie die Schweizer Nummer 1?
Die beiden WM-Teams werden von uns im A-Kader identisch gefördert und gefordert. Dass sie sich im Trainingsalltag auf höchsten Niveau gegenseitig pushen können, ist ein grosses Plus. Eine Direktbegegnung widerspiegelt nicht unbedingt, wer die Nummer 1 ist, und im Verband spielt das auch keine Rolle. Für uns zählen ihre Leistungen im internationalen Vergleich, und die stimmen.

Noch ein Wort zu den Schweizer Männern, die erstmals seit Beginn der FIVB-WM vor 20 Jahren keinen Startplatz ergattern konnten. Werden sie 2019 wieder dabei sein?
Wir setzen alles daran, denn es tut weh, keine Schweizer Männer am Start zu haben. Nico Beeler/Marco Krattiger erreichten bereits drei Top10-Plätze und spielen immer wieder auf hohem Niveau. Hier gilt es, Konstanz aufzubauen. Aber auch die anderen jungen Kaderspieler sind auf dem richtigen Weg. Ich bin guten Mutes.

Alles zur Beachvolleyball-WM 2017


©Swiss Volley

Kategorie: Beachvolleyball