Rio 2016

News Beachvolleyball

Rio Beach

Philippe Saxer: „Dann liegt für beide Teams ein olympisches Diplom drin.“

Beachvolleyball & Copacabana & Olympische Spiele – eine Begriffskombination, die jedem Volleyball-Fan die farbenprächtigsten Bilder ins Kopfkino zaubert. Auch unserer Schweizer Beachvolleyball-Delegation, bei der alles bereit...
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Nach den Männern stehen jetzt die Frauen im olympischen Fokus

In Rio de Janeiro werden zum sechsten Mal Olympische Medaillen im Beachvolleyball vergeben. Und zum ersten Mal ist die Schweiz mit zwei Frauenduos am Start – mit Isabelle Forrer/Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich/Nadine...
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Eine Traumkulisse für die Beachvolleyballer

Ein olympisches Turnier an der Copacabana ist für einen Beachvolleyballer so etwas wie die Erfüllung eines Traums. Die Auftritte am weltberühmten Strand vor einer grandiosen Kulisse werden für manchen Profi ein...

News Volleyball

Blog

Anouk Vergé-Dépré, Athletin

Anouk Vergé-Dépré, Athletin

20.08.2016

Die Woche nach dem Wettkampf

Nun ist unser letztes Spiel schon eine Woche her. Ludwig/Walkenhorst sind Olympiasiegerinnen geworden und wir können unseren Rang 9 noch besser einordnen! Von Rio werden wir sicherlich vieles mitnehmen können, sowohl negative wie auch viele positive Erfahrungen! Cool, was hier fürs Beachvolleyball in der Schweiz gegangen ist!

Wir haben diese Woche mit unseren Trainingsgspändli mitgelitten (ein Bravo an dieser Stelle für die gezeigte Leistung!!), haben andere Sportarten besucht und uns auch ein bisschen erholt. Nach so langer Arbeit fühlt es sich ein bisschen an, wie wenn man bei einer Stereoanlage auf Stopp drückt, weil gerade das Highlight des Musikstücks vorbei ist ... Zeit also anderen zuzuschauen. Ich war diese Woche beim Tennis Doppel-Finale, im Leichtathletik habe ich Mujinga über 200m angefeuert und ich habe gestaunt, wie Brasilien Russland im Indoor-Volleyball vor tobendem Publikum 3:0 besiegt!

Meine Neugier hat mich vorgestern in eine Sambaschule geführt. Dort wurden mir von Helio Borges die Geheimnisse des Sambatanzens verraten ... Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind wir ganz schön weit gekommen! Es hat extrem Spass gemacht, auch wenn die Koordination Schritte-Hüfte-Arme nicht immer so funktioniert hat, wie ich mir das vorstelle, oder wie ich es vom Salsa kenne :) Ich habe jedenfalls alles um mich herum vergessen und viel gelacht, das tat gut! Würde ich jedem empfehlen, der in Rio vorbeikommt! :)

Heute Nachmittag steht nun nochmals ein Balltraining an. Wir fliegen am Montag direkt nach Long Beach zum Grand Slam, um genug Punkte zu sammeln für das World Tour Final in Toronto. Wir werden vor dem Abflug aber noch die Closing Ceremony geniessen und damit das Kapitel Rio abschliessen!

Ein riesen MERCI an alle, die RIO ermöglicht haben!


©Swiss Volley



Nadine Zumkehr, Athletin

Nadine Zumkehr, Athletin

19.08.2016

Aberglaube – ok, auch ich gestehe ... ;-)

Die Spiele sind für uns vorbei, morgen fliegen wir zurück in die Heimat. Eine tolle Zeit, die wir hier hatten, jetzt freue ich mich aber sehr auf meine Familie und meine Freunde. Schön, diese nach einer so intensiven und emotionalen Zeit wiederzusehen!
Bevor es in Richtung Heimat geht, habe ich noch ein Geständnis abzulegen ... ;-) Eine Frage, die häufig auftaucht in Interviews, ist die nach Glücksbringern und Ritualen ... ich antworte dann jeweils aus Überzeugung, dass ich nicht sehr abergläubisch bin und nur wenige Rituale habe ... für Sportler eher untypisch wahrscheinlich. Hier in Rio wurde mir diese Frage erneut gestellt, ich kam mit meiner ‚Standardantwort’... Am nächsten Tag beim Tasche packen muss ich auf einmal über mich selbst lachen, weil ich feststelle, dass meine Antwort völliger Schwachsinn ist. Bei der Kontrolle, ob alles wichtige für den Tag in meiner Tasche verstaut ist, stosse ich auf das eine Nebenfach ... voller Glücksbringer, die ich geschenkt gekriegt habe und bei denen ich irgendwie das Gefühl hatte, die müssen mit zum Spiel ... auf dem Foto zu sehen, Details zu den einzelnen gebe ich jetzt mal nicht preis ... Im Nachttisch im Village liegen weitere Exemplare, bei denen ich überzeugt war, die müssten dort sein ... soviel zum Thema ‚kein Aberglaube’ ... ;-)



Und ja, es ging weiter. Am Venue angekommen trete ich in die Garderobe und steche direkt auf ‚mein’ Schliessfach Nr. 5 zu ... Am ersten Tag habe ich mir die freien Schliessfächer angeschaut und die Nr. 5 auserkoren, war ja schliesslich früher immer meine Glückszahl, die ich dann irgendwann durch Nr. 7 ersetzt hatte, warum auch immer ... Nr. 7 gab es nicht, also war Nr. 5 gewählt ... und ich gebe es ja zu, bei Ankunft am Venue hatte ich jedes Mal auf die ‚freie Nr. 5’ gehofft. Mein Glück, dass sie nie besetzt war und mir damit der ‚Flexibilitätstest’ erspart blieb … ;-)



Zu guter Letzt und sicher als absurdeste Entdeckung meines Aberglaubens – ja, ihr seht richtig, ein Foto der spektakulären Toiletten in unseren Garderoben am Venue. Wie wohl die meisten Spielerinnen renne auch ich während dem Warmup für wichtige Spiele gefühlt 10 mal aufs Klo, wäre ja blöd, wenn man im Spiel auf einmal pinkeln müsste (als wäre dieses Problem schon jemals aufgetaucht). Absurd, ich weiss, aber es ist ein häufiger Treffpunkt unter Gegnerinnen während dem Aufwärmen! Und ich habe es hier noch einen Schritt weitergetrieben, vor dem ersten Spiel war es zufälligerweise die Kabine ganz rechts, das Spiel lief bekanntlich gut – und ja, von da an musste es ganz rechts sein. Wenn nötig nahm ich sogar Wartezeit in Kauf ...



Tja, soviel dazu ... Beim nächsten Mal, wenn mir diese Frage gestellt wird, denke ich wohl an Rio zurück. Und ich werde mich auch nicht mehr fragen, warum ich nie wirklich Nervosität direkt vor dem Spiel oder auf dem Court verspüre ... Es scheint, als würde ich ganz schön viel davon in meinen Ritualen verpuffen lassen. Passt für mich, solange sie mich dann weiterhin ruhig und entspannt auf den Court treten lassen ... ;-) Bis bald in der Schweiz, ich freue mich auf euch!






©Swiss Volley

Nora Willi, Präsidentin Swiss Volley

Nora Willi, Präsidentin Swiss Volley

18.08.2016

Die Beachvolleyballwettkämpfe der Frauen sind gestern vor einem nochmals vollen Stadion mit dem Sieg des Deutschen Teams Ludwig/Walkenhorst zu Ende gegangen - und auch mein Aufenthalt in Rio neigt sich dem Ende zu.
Es waren zwei Wochen so reich gefüllt mir Erlebnissen, Emotionen und Begegnungen, dass ich das Gefühl habe, ich sei sicher einen Monat hier gewesen. Bis auf eines, habe ich jedes Spiel unserer Teams live vor Ort mitverfolgt, mitgefiebert, angefeuert - so gut das gegen tausende von brasilianischen Fans oder Fans von anderen grösseren Nationen eben ging.

Das absolute Highlight war natürlich das Viertelfinalspiel von Nadine und Joana gegen die Brasilianerinnen. Immer wieder werde ich von Leuten, die wegen ganz anderen Sportarten nach Rio gekommen sind, darauf angesprochen. Am Tag nach dem Spiel bin ich an einer Veranstaltung des Internationalen Volleyballverbandes FIVB. Auch hier ist das Spiel ein allgegenwärtiges Thema in den Gesprächen, mit vielen Komplimenten für das, was das Team gezeigt hat.

Ich bin tief beeindruckt, was die ganze Delegation um unsere beiden Teams geleistet hat. Nach den Spielen habe ich jeweils mit ihnen auf die Spielerinnen gewartet, bis sie aus der Medien-Mixed-Zone gekommen sind. Ansonsten bin ich nicht so nahe dran beim Trainerstaff und sehe die Arbeit der Crew nur anhand der Resultate der Teams. Mit welcher Professionalität und gleichzeitig Herzlichkeit die Spielerinnen jeweils in Empfang genommen wurden, wie mit Siegen und Niederlagen umgegangen wurde und auch das Miteinander hat mit begeistert und berührt. Sichtbar ist diese grossartige Leistung in den Platzierungen der beiden Teams!

Danke euch allen, Spielerinnen und Crew, für diese unvergesslichen Stunden, die ich hier mit euch erleben durfte. Danke an all die Schweizerinnen und Schweizer die unsere Teams mit Fahnen und lautem "Hopp Schwiiz" im Stadion fantastisch unterstützt haben, und danke euch zu Hause, die ihr am Fernsehen auch mitten in der Nacht und früh morgens mit unseren Teams mitgefiebert habt und die Daumen gedrückt habt!



©Swiss Volley

Nadine Zumkehr, Athletin

Nadine Zumkehr, Athletin

15.08.2016

Es ist ein Tag vergangen seit der Niederlage gestern gegen Brasilien. 5. Rang bei Olympia und ein Viertelfinal-Aus mit einer Topleistung gegen einen der Topfavoriten...das hätten wir im Vorfeld des Turnieres ganz bestimmt so unterschrieben! Und werden wir im Nachhinein wohl auch stolz annehmen können...doch das braucht noch ein wenig Zeit...;-) ich habe gedacht, ich warte einen Tag und lasse das alles ein bisschen sacken, bevor ich den Bericht hier schreibe...ob genug Zeit vergangen ist, um den Bericht nicht allzu emotional zu gestalten, kann ich nicht versprechen...;-)

Wir durften gestern Teil eines unfassbar engen und emotionalen Spiels sein, eines, das knapper nicht ausgehen könnte...23:21, 25:27, 13:15 hiess es am Ende, der letzte Ball landete in unserer Courthälfte im Sand. Doch alles der Reihe nach. Allein der Einlauf ins Stadion war schlicht gigantisch. Bei uns praktisch still, bis auf die wenigen, aber treuen Schweizerfans, welche uns hartnäckig unterstützt haben...dann der Einlauf der Brasilianerinnen...auch als Gegnerin Hühnerhaut pur, da muss man einfach übers ganze Gesicht strahlen, da brodelt es im Bauch. Die brasilianischen Fans haben ihr Team vom ersten Moment an mit allen hier so üblichen Mitteln unterstützt...und ja, sie buhen, ja, sie pfeiffen...aber was für mich in diesem Moment in erster Linie gezählt hat, ist zu spüren, was der Sport bei diesem Anlass auszulösen vermag...die Emotionen, die wir mit den Leuten in diesem Stadion und auch zu Hause vor dem Fernseher gestern erleben und teilen durften, gingen echt unter die Haut und werden uns unvergesslich bleiben. Keine Sorge, mir ist durchaus bewusst, dass Sport nicht das Wichtigste im Leben ist. Dass ein Sieg oder eine Niederlage im Spiel im Vergleich dazu, womit sich die Welt zu beschäftigen hat, eigentlich irrelevant ist. Das vergesse ich nicht...dennoch finde ich es schön, wie Emotionen auf diesen einen Moment hin gebündelt werden können und welch Bann sie für diesen kleinen Augenblick brechen können. Ich habe mir auf alle Fälle keinen der über 10'000 Menschen gegen uns in diesem Stadion weggewünscht, im Gegenteil. Ich hätte jeden einzelnen umarmen wollen dafür, dass er uns dieses Erlebnis beschert hat!

Das Spiel war von Anfang bis Ende ausgeglichen und umkämpft. Alle 4 Spielerinnen haben gespürt, dass jeder Punkt der am Ende entscheidende sein kann. Die Matchbälle im zweiten Satz werden uns wohl noch lange Zeit im Kopf rumschwirren. Bitter, dass wir am Ende verlieren, aber ein Spiel, nach dem wir uns nichts vorzuwerfen haben. Wir haben unser bestes Beachvolleyball gezeigt, der Gegner war genauso gut und am Ende haben wahrscheinlich ein paar wenige Aktionen von Larissa den Unterschied gemacht.

Was trotz der Enttäuschung über das verlorene Spiel absolut überwältigend ist, sind die unzähligen Nachrichten, die wir über verschiedenste Kanäle erhalten. Sei es von Leuten aus der 'Beachvolleyballwelt', von Freunden und Familie sowieso, aber auch von Leuten, die wir aus anderen Bereichen oder zum Teil gar nicht kennen. Ganz viele sehr berührende Nachrichten, auf ganz verschiedene Art & Weise. Glaubt mir, meine Tränenkanäle sind nach heute bestens durchgespült, die Müdigkeit und Leere in Kombi mit diesen berührenden Worten von allen Seiten haben dafür gesorgt...;-)

Ihr spürt, insgesamt eine sehr emotionale Angelegenheit für mich persönlich, für die ich von Herzen dankbar bin! Fehlt nur, dass wir gewonnen hätten...;-) Es hat unheimlich viele Menschen gebraucht, um den Weg hierher zu finden. Alle aufzuzählen macht keinen Sinn. Aber jeder, an den ich dabei denke, weiss das sehr genau und soll sich von Herzen angesprochen fühlen.

Unser Teamchef Phippu hat uns gestern beim gemeinsamen Nachtessen gesagt, unser Auftritt hier war die beste Art, dem ganzen Team zu danken. Diese Aussage hat mich sehr berührt und bedeutet mir viel! Ich hoffe also, dass all diejenigen, die uns auf unserem Weg begleiten, unsere Auftritte hier ebenso als Dankeschön sehen und annehmen können...

Liebe Grüsse aus Rio von Nadine, die hofft, dass es diese Nacht klappt mit ein bisschen schlafen, ohne dass Larissa & Talita ständig wieder diese Matchbälle ausgraben...;-)



©SwissVolley

Christof Gertsch, Journalist

Christof Gertsch, Journalist

15.08.2016

Hin und weg
Das Schweizer Beachvolleyball-Duo Joana Heidrich / Nadine Zumkehr hat mit dem Viertelfinal-Einzug Historisches geschafft. In der Nacht auf Montag bringt es die Brasilianerinnen an den Rand der Niederlage – und nimmt uns mal eben die Worte.
Es war eine anstrengende erste Olympiawoche gewesen, all die nächtlichen Schwimmfinals, dazu die Schweizer Medaillen, und jetzt war Sonntag, und wir hatten Feierabend. Wir stiegen in ein Taxi und fuhren der Copacabana entlang zum Beachvolleyball, weil man uns erzählt hatte, dort befinde sich das Herz der Spiele. Und weil die Schweizerinnen Joana Heidrich und Nadine Zumkehr im Viertelfinal gegen die Brasilianerinnen spielten, gegen Larissa Franca Maestrini und Talita Antunes da Rocha, die Nummern 1 der Welt. Wir erwarteten, dass sich Heidrich und Zumkehr schwer tun würden, um nicht zu sagen: keine Chance haben würden. Also packten wir nichts zum Schreiben und auch keinen Laptop ein.

Eine Wahnsinnsumgebung
Wir waren spät dran, weil wir uns verlaufen hatten, und rannten die Treppen des temporären Stadions zu den Journalistenplätzen hoch. Und während wir Stufe um Stufe nahmen, sagten wir zueinander: «Jetzt ein Caipirinha – das wär’s.» Aber als wir oben waren, war der Caipirinha vergessen. Der Strand, die Wellen, die neuntausend Zuschauerinnen und Zuschauer: Hat es je ein olympisches Stadion in einer solchen Wahnsinnsumgebung gegeben? Hat es je einen olympischen Wettkampf gegeben, der den Ursprüngen seines Sports näher war?
Die Arena de Vôlei de Praia Copacabana besteht aus einem Beachvolleyballfeld und steilen Tribünen, die auf der einen Längsseite, jener zum Meer hin, nur halb so hoch sind wie auf den anderen Seiten, der Aussicht wegen. Es dämmerte bereits, als das Spiel zwischen den Schweizerinnen und den Brasilianerinnen losging, und der Wind schmeichelte. Zunächst schauten wir gar nicht das Spiel, sondern blickten zum Horizont, es verschlug uns schier die Sprache. Nur das Kriegsschiff, das seit dem Beginn der Spiele vor Rio de Janeiro ankert, hätte das Bild stören können, aber an die Präsenz von Militär und Polizei haben wir uns gewöhnt. Wir hören in Rio de Janeiro ja den ganzen Tag nichts anderes als die Sirenen.

Toben und verstummen
Jetzt hörten wir die Sirenen nicht, denn sie wurden übertönt vom brasilianischen Publikum. Es war wirklich genau so: Ein Punkt für die Brasilianerinnen, und das Publikum tobte. Ein Punkt für die Schweizerinnen, und das Publikum verstummte. Aufschlag der Brasilianierinnen, und das Publikum wartete gebannt. Aufschlag der Schweizerinnen, und das Publikum pfiff.
Wir hatten in der ersten Olympiawoche schon viel vom, sagen wir, parteiischen brasilianischen Publikum vernommen, aber im Schwimmen und bei den Schweizer Medaillen hatte sich die Einseitigkeit in Grenzen gehalten. Jetzt brach sie sich Bahn, in all ihrer Wucht, und wie Heidrich und Zumkehr später erzählten, hatten sie sich darauf vorbereitet. Wie ihnen das gelungen war, blieb in der Kürze des Gesprächs ihr Geheimnis, aber es stimmte schon, was sie sagten: Sie hatten sich nicht beirren lassen.
Und das war, was uns an ihnen am meisten beeindruckte: Dass sie sich zum Publikum wendeten und die Faust ballten, wenn das Publikum verstummt war, und dass sie von all ihren Aufschlägen nur einen ins Netz hauten, wenn das Publikum pfiff.

Drei Matchbälle
Den ersten Satz gewannen Heidrich und Zumkehr 23:21, und im zweiten Satz hatten sie drei Matchbälle – bei 20:19, 22:21 und 23:22. Sie, die für ein Schweizer Beachvolleyball-Duo schon mit dem Viertelfinal-Einzug Historisches erreicht hatten. Gegen die Brasilianerinnen, für die nichts als der Olympiasieg gut genug ist.
Und wir, die wir uns zuerst einen Caipirinha gewünscht hatten und dann von der Aussicht hin und weg gewesen waren? Wir wünschten uns jetzt den Sieg und waren hin und weg von diesem Spiel. Wir ertappten uns, wie wir mitfieberten, wo wir doch sonst immer unbeteiligt zu sein versuchen. Der zweite Matchball war der Beste, der «längste und aufregendste Ballwechsel der Partie», wie wir später im Bericht der Schweizerischen Depeschenagentur lasen, uns fehlten ja längst die Worte. Larissa Franca, wie sie sich nennt, brachte die Hand wenige Zentimeter vor dem Aufprall im Sand noch unter den Ball.
Wir dachten, jetzt wende sich das Momentum, und flüsterten es uns zu. Wir wollten nicht, dass uns jemand hörte, denn normalerweise glauben wir nicht an etwas derart Abstraktes wie ein Momentum, und schon gar nicht würden wir davon schreiben. Und zunächst stimmte es auch nicht, denn obwohl der zweite Satz verloren gegangen war, 25:27, blockte und punktete Heidrich im Tie-Break, als wären nicht die Brasilianerinnen die Nummern 1, sondern sie und Zumkehr. Und Zumkehr rettete Bälle, dass das Publikum öfter verstummte oder pfiff, als dass es tobte. Wenn sie die Taktik für den nächsten Ballwechsel besprachen, gaben sie sich die Hände, zwei Frauen gegen alle.

Schmerzhafte Schönheit
Sie lagen 9:8 vorne, doch dann führte eine Serie von vier Punkten die Wende zugunsten der Brasilianerinnen herbei. Das Tie-Break endete 13:15. Sieg für die Brasilianerinnen, Niedergeschlagenheit bei den Schweizerinnen.
Die Atmosphäre, sagte Zumkehr, sei unbeschreiblich gewesen, und sie hatte recht. Sie hatte auch recht, als sie sagte: «Wir müssen uns keine Vorwürfe machen.» Und als sie sagte, es sei das «mit Abstand schönste Spiel» ihrer Karriere gewesen, dachten wir, dass wir das nicht beurteilen könnten, weil wir von Zumkehrs Karriere nur sehr wenige Spiele gesehen hatten, obwohl sie seit 2005 auf der World Tour unterwegs ist. Aber dass sie Recht hatte – daran zweifelten wir nicht. Neben Zumkehr stand Heidrich, die Grössere der beiden, die Jüngere auch, und hatte Tränen in den Augen, und das hatte sie auch später noch, als wir sahen, wie Zumkehr und sie ausserhalb des Stadions von den Teambetreuern in die Arme genommen wurden.
Das «mit Abstand schönste Spiel», hatte Zumkehr also gesagt, ein Spiel, das ihr und Heidrich Mut mache. Ein Spiel aber auch, das wegen all dem Schmerz, in dem es geendet hat, nicht so schnell zu verarbeiten sein werde.




©NZZ, Christof Gertsch

Sebastian Beck, Cheftrainer

Sebastian Beck, Cheftrainer

15.08.2016

... Was soll man sagen? Die meisten, welche diese Website besuchen und diesen Blog lesen, haben es wahrscheinlich mit ihren eigenen Augen gesehen. Nach wie vor weiss ich nicht, wo ich meine Gefühle zu diesem Spiel einordnen soll. Ich merke, dass ich mich mit dem Wort Schicksal verbunden fühle, da ich den entscheidenden Fehler nicht finden kann.
Doch es gibt auch ein Gefühl in mir, welches sich in diesen 70 Minuten dieses emotionalen, packenden und vor allem qualitativem Battle aufgebaut hat und welches auch die Niederlage überdauert und sich weiter festigt - nein, mich sogar erfüllt. Nadine & Jo, ich bin extremst stolz auf euch!!!
Entschlossener, mutiger und hungriger kann man es kaum machen. Volleyballerisch war das eine verdammte Hausnummer!!!! Was ihr da zusammen auf den Court gestellt habt, war UNGLAUBLICH!! Vielen Dank, dass ich an diesem Moment teilhaben durfte!!!

Wenn ich hier in Rio, nur wenige hundert Meter vom Court des Geschehens entfernt liege und den heutigen Abend Revue passieren lasse, dann stelle ich fest, dass gewisse Gefühle und Emotionen nur vom Sport ausgelöst werden können. Ich bin in diesem Moment nicht nur dankbar, Teil dieser Mission, sondern Teil dieses Teams hinter dem Team gewesen zu sein. Was jeder von euch hier reingesteckt hat ist der Wahnsinn und unbezahlbar. Danke dafür Jungs!!! Wahnsinn!

Nadine und Jo - was ihr uns heute zurückgegeben habt ist weit mehr als das, was wir eingefordert hatten. Ihr wisst was das bedeutet!?!

Vielen Dank an alle - sprachlos, aber voller Emotionen.


©Swiss Volley



Anouk Vergé-Dépré, Athletin

Anouk Vergé-Dépré, Athletin

15.08.2016

RIO 2016 - 16 Dinge, die ich nicht erwartet hätte ...

1.       dass ich keinen einzigen Mückenstich habe ... (und ich werde sonst immer verstochen!!)
2.       dass ich hier im Dorf tatsächlich auf Michael Phelps gestossen bin ...
3.       dass ich im Kraftraum im Dorf stundenlang nur den anderen Athleten zuschauen könnte, egal ob klein/gross/schell/kräftig ...
4.       dass das Sicherheitssytem so schlecht ist ...
5.       dass es an den OS bei der Beachvolleyball Arena nur Sandwiches zu Essen gibt.
6.       dass wir soviel Unterstützung und Nachrichten bekommen, von überall auf der Welt..
7.       dass wir Kerri Walsh den 2. Satz bei den OS abnehmen konnten.
8.       dass Lothar mich so bearbeiten musste, bis ich endlich nicht mehr so gelähmt auf dem Feld rumlief ...
9.       dass ich meine Wäsche unter hunderten von Wäschesäcken suchen gehen musste
10.     dass die Bevölkerung in Rio an den OS nur hinter ihren eigenen Athleten steht und nicht generell sportinteressiert ist.
11.      dass ich ohne Visa bisher sehr gut auskomme ... und PINS hier so wichtig sind :-)
12.      dass wir uns so gut auf den Sport konzentrieren konnten! --> Danke dem ganzen Team fürs Rücken freihalten!!!
13.      dass ich vieles gar nicht mitbekomme, weil jeder Athlet seinen eigenen Rhythmus fährt und jede Sportart woanders ist ... INTERNET ist hier heilig!
14.     dass ich in dieser Zeit soviel lerne.
15.     dass mir meine Akkreditierung fast anwächst, ohne Akkreditierung geht hier nichts!!
16.     dass ich Sport toller finde den je, weil es so viele Leute vereint, Geschichten erzählt und Menschen verbindet!

Und was lernen wir daraus: Es kommt alles anders als man denkt! ;-)


©SwissVolley


Jolanda Birrer, Volunteer

Jolanda Birrer, Volunteer

14.08.2016

SWISS VOLUNTEERS AM BEACHVOLLEYBALL EVENT IN RIO 2016

Bei meinem letzten Blog habe ich geschrieben, dass es noch nicht viel zu tun gibt. Nun ist das Beachvolleyball Turnier bereits in der zweiten Woche und es hat sich nichts geändert. Langweilig wird es mir trotzdem nicht. Nebst Kaffeebohnen und Wasser auffüllen gibt es auf dem Gelände viel zu sehen. Hier ein paar Anekdoten.

Die Schweizer gelten weltweit als innovative Menschen. Wenn es allerdings darum geht, eine Arbeit zu verrichten, wofür wir Schweizer eine Maschine haben, sind die Brasilianer äusserst innovativ. Statt die Aludosen einzeln zusammen zu drücken, breiten sie diese kurzerhand auf dem Boden aus und ein Staplerfahrer fährt mehrere Male darüber hin und her bis alle flach sind.



Als Reiseerfahrene habe ich mich beim Toilettenbesuch schon mehrmals überlegt, wohin mit dem Papier. Die WC-Häuser sind bestimmt nicht an der Kanalisation angehängt, waren diese doch schon mehrmals verstopft. Trotzdem finde ich lange keine Schilder oder Bilder, die mich darauf hinweisen. Sehr schnell findet man aber heraus, dass die WC-Brille nur ein übles Detail ist und die WC-Papierrollen zu gross für die Halter sind. Doch siehe da, nach etwa fünf Tagen finde ich per Zufall das Schild, während dem ich meine Hände wasche. Das Papier soll also doch in den Kübel.

Die Beachvolleyball Arena wird streng und zum Teil bewaffnet durch die brasilianische Armee bewacht. Ja man fühlt sich so sicher. Wenn dann aber mit der Waffe aus Langeweile Zielübungen gemacht oder die Waffen mit zum Essen genommen werden, wird es einem dann schon ein bisschen mulmig. Da kann man nur hoffen, dass diese nicht scharf sind ...



Die Anzahl Menschen auf dem Gelände nimmt von Tag zu Tag zu. Vermehrt sind auch Athleten von anderen Sportarten anzutreffen. So war es mir schon ein bisschen peinlich, als ich die beiden Schwimmerinnen fragen musste, in welcher Sportart sie aktiv sind. Die Schweizerin Danielle Villars ist Kurzstrecken- und Julia Hassler aus Liechtenstein Langstrecken-Schwimmerin. Beide waren bereits in London 2012 dabei und geniessen nun nach Wettkampfschluss das olympische Geschehen.



Als „Gstaader“-Court Manager interessiert es mich natürlich, wie auf den Courts gearbeitet wird ... oder auch nicht. Joana und Nadine sind sich am Aufwärmen auf dem Warm Up Court vis-à-vis meines Arbeitsplatzes. Das Personal auf diesem Court ist sehr beschäftigt, es läuft das Spiel Schalk/Saxton CAN gegen Brouwer/Meuwsen NED im TV. Das darf man nicht verpassen, auch die vielen SMS müssen unbedingt beantwortet werden. Das hat Priorität. So bleibt Seba und Co nichts anderes übrig als die Bälle selber einzusammeln. Vielleicht sollten wir in Gstaad in Zukunft auch einen TV haben für das Courtpersonal ... ;-)

An meinen freien Tagen oder Pausen geniesse ich dann die Zeit im Stadium zusammen mit Silvia. Auch wenn unsere „Hopp Schwiiz“-Rufe in der Menge nicht gehört werden, wollen wir doch die Schweizer Teams unterstützen. Hauptsache ist, dass die Spielerinnen unsere Fahnen sehen. Bei den Erfolgen der beiden Teams, sei es beim letzten Gruppenspiel von Isa und Anouk oder dem gestrigen Achtelfinal von Joana und Nadine gibt es dann schon mal Gänsehaut oder Freudentränen. Dies als Swiss Volunteer an einer Olympiade zu erleben ist schon ein grosses Privileg und sicher auch eine Genugtuung für den zeitlichen und finanziellen Aufwand. In diesem Sinne: HOPP SCHWIZ!



©Swiss Volley

Florian "Flocki" Karl, Trainer

Florian "Flocki" Karl, Trainer

13.08.2016

Mein Rio...von A-Z

Anreise: cooles Event mit Verabschiedung für das Schweizer Team am Flughafen Zürich. Vielen Dank dafür.

Beach-Volleyball: eines der Highlights bei Olympia, sowohl für Sportler als auch für Zuschauer!!

Copacabana: tolle Location ... nicht nur für Beach-Volleyball.

Dachterrasse: guter Rückzugsort in unserem Hotel.

Elimination-Round: Nach 6 langen Tagen nimmt das Turnier nun richtig Fahrt auf. Die ersten Teams sind schon raus. Wir sind genau da, wo wir hin wollten. Heute wollen wir angreifen!!

Familie: Liebe Grüsse an all meine wichtigen Menschen, die zu Hause mitfiebern.

Geld: Echt ein heikles Thema hier. Seit unserer Ankunft haben wir sicher schon von 5-6 geknackten Kreditkarten gehört. Einziger Weg momentan: Geld ziehen in der Bank und alles bar zahlen.

Hopp Schwiiz: Danke an die vielen Schweizer Fahnen im Publikum.

Ipanema: Laut meinem Zimmernachbarn Christoph D. aus T. ein tolles Ausflugsziel...aber wir sind hier doch nicht im Urlaub??!! Versteht er nicht!!! Gut, dass ich ihm ein Vorbild sein kann!!

Jassen: Lieblingssport des besten "Füsios" der Welt.

K 2: Laut Statistik spielen unsere Teams hier super Block-Defense. In beiden Rankings gehören wir in diesem Turnier zur Weltspitze.

Lucky-Loser: Duell um Mitternacht. Wir hatten aber die Vordertür ins Achtelfinale genommen!

Mental-Coach: Mit Lothar haben wir nicht nur einen sehr erfolgreichen und sehr fähigen Sport-Psychologen, sondern auch einen wirklich duften Typen im Team.

Nebenplatz: Neben dem Center-Court gibt es noch den Court 1. Dort wurde nur 1 Spiel der "Lucky Looser" Runde ausgetragen ... Zuschauer können dort nicht hin, da er im gesperrten Bereich liegt ... ein Friedhof für viele Olympia-Träume.

Olympia: der Traum jedes Sportlers...pathetische Worte, aber wenn man dabei war, fühlt man sie bestätigt

Piraten: unser Team-Motto hier in Rio. "Piraten auf Beutezug" ... wir wollen hier die grossen Teams mutig angreifen und entern.

Quejo - pao de quejo: lecker lecker.

Rio de Janeiro: krasse soziale Unterschiede!

Stadion: unglaubliche Schüssel, die sie hier hingezaubert haben. 12'000 Zuschauer und richtig steil gebaut ... sehr beeindruckend!

Tie-Break: Anouk und Isa scheinen das gerne zu machen. Jedes Spiel 3 Sätze ... meine Nerven.

Underdog: nicht negativ besetzt; aufgrund der eigenen Qualität mit der Chance anzugreifen.

Video: Eines der Themen, die Christoph und mich schon im Vorlauf und während der Spiele begleitet haben. Unzählige Stunden Arbeit haben wir in Spiele gucken investiert. Videos aufbereiten, Taktik festlegen und dann sinnvoll schneiden ... leider gibt es keinen Oscar dafür.

Wilde Banane: "Schnell-Restaurant", heisst eigentlich "Tropical Banana", neben unserem Hotel. Lecker Saft und Acai. Kochen müssen sie noch üben.

Xiamen: Leider wurden hier in Rio die Beach-Volleyball-Felder fürs Training - genau wie beim Turnier in Xiamen/China - mit einem Sandwall als Blickschutz gesichert ... leider gilt hier: siehst mich du nicht, sehe ich dich nicht. Schade wenn man direkt am Wasser trainiert, aber das Meer nicht sieht ...

Yps: eigentlich ne Golfer-Krankheit beim Putten. Tritt aber auch in abgewandelter Form beim Beach-Volleyball auf ... beides sehr kopflastig ... aus diesem Grund: Spieler müssen denken und ihre Gefühle steuern können!! Das lernt man am besten von "klein auf".

Zuschauer: Christoph hat das Thema ja schon in seinem Blog behandelt. Die brasilianischen Zuschauer haben definitiv keinen Platz in meinem Herzen. Patriotismus okay, aber Anfeindungen mit Rufen und Mittelfingern sind weit unter der Gürtellinie. Was mich aber am meisten stört, sie sind anscheinend ziemlich ignorant. Spiele ohne brasilianische Beteiligung werden bis jetzt kaum besucht und so sitzt man dann mit 1'500 anderen Zuschauern in einem Stadion für 12'000. Das haben alle Spielerinnen und Spieler definitiv nicht verdient!!

 




©Swiss Volley

Isabelle Forrer, Athletin

Isabelle Forrer, Athletin

12.08.2016

Wie halten wir die Spannung hoch?
 
Olympisches Beachvolleyballturnier als Zuschauer: Man wartet zu Hause, darf mitten in der Nacht unsere Spiele anschauen und so jeden Tag ein Häppchen spannendes Beachvolleyball geniessen.
Olympisches Beachvolleyballturnier als Athlet: Es dauert alles ein bisschen länger als gewöhnlich ;) Wir sind mittlerweile bei drei absolvierten Poolspielen und heute ist der 7. Turniertag ... Normalerweise ist ein Grand Slam schon seit einem Tag vorbei und als Team hat man bereits 8 Spiele gewonnen, wenn es bis zuoberst aufs Treppchen gereicht hat.

Nun stellt sich also die grosse Frage, wie man die Spannung über die ganze Zeit hoch hält? Das Geheimnis ist … es geht nicht ;) Das ist auf jeden Fall bei mir so. Die Tage vor dem ersten Spiel gab es jeweils nur kurze, intensive Trainingseinheiten, und das gleiche gilt auch zwischen den Spielen. Die Zeit dazwischen fülle ich mit Regeneration und Physio, dem Treffen meiner Schwester und Freunden und am Dienstag haben Anouk und ich die Schweizer Fechter live unterstützt. Es war richtig spannend und Flocki hat sich sehr gefreut, dass wir nach unserem knappen Sieg nach vier abgewehrten Matchbällen gegen Australien auch mal bei knappen Dingern zuschauen mussten :-))

Die Spannung wieder aufzubauen fällt mir relativ leicht … Die Vorfreude in dieses geniale Stadion einzulaufen und bei der elektrisierenden Kulisse aufzuspielen pusht mich schnell wieder in den Game-Mood!



© Swiss Volley

Joana Heidrich, Athletin

Joana Heidrich, Athletin

11.08.2016

Wir hatten unser zweites Spiel gestern erst um Mitternacht. Das war mal was ganz Spezielles. So spät mussten wir noch nie spielen. Trotzdem waren wir bereit, voll anzugreifen. Wir mussten uns aber nach 40 Minuten und einer Schrecksekunde wegen meinem Knie 0:2 gegen die besser spielenden Kanadierinnen geschlagen geben ... 

Zum Glück können wir wegen meinem Knie Entwarnung geben: Es geht ihm gut. Ich habe einen "Pferdekuss" abgekriegt. So was ist im ersten Augenblick schmerzhaft, wird aber für das heutige Training und das morgige Spiel kein Problem sein. Ich möchte mich auch bei unserem Physio Stefan Schönenberg bedanken für die super Behandlung auf dem Court. Und er macht auch jetzt einen super Job - wie auf dem Bild zu sehen. Fazit: Mir geht es gut und ich bin voll motiviert, morgen wieder anzugreifen!



©SwissVolley

Christoph Dieckmann, Trainer

Christoph Dieckmann, Trainer

10.08.2016

To boo or not to boo…

Dürfen Beachvolleyball-Zuschauer das gegnerische Team ausbuhen? Neben Sieg, Niederlage und Medaillen geht es hier in Rio beim Beachvolleyball auch um Fragen wie diese. 10'000 begeisterte Zuschauer, die unbedingt ihre Mannschaft siegen sehen wollen: da kann man schon mal über das Ziel hinaus schiessen. Sagen die einen. Unmöglich sich bei einem Beachvolleyball-Match so zu verhalten, beklagen die anderen.

Bei einem der ersten Spiele hier in Rio, dem Aufeinandertreffen der Brasilianerinnen Agatha/Barbara und der Tschechinnen Hermannova/Slukova, gab es bei den Aufschlägen der Tschechinnen regelmäßig Buh-Rufe der brasilianischen Zuschauer. Die Aufforderungen des amerikanischen und des brasilianischen Stadion-Sprechers dies zu unterlassen, quittierten die Fans mit nur noch lauteren Buh-Rufen. So ähnlich läuft es bei jedem Spiel mit brasilianischer Beteiligung. Nicht gerade Fair Play, speziell für Schweizer Beachvolleyballzuschauer wohl mehr als gewöhnungsbedürftig und für die tschechischen Spielerinnen Grund genug sich nach dem Spiel zu beklagen.

Fakt ist allerdings, dass dieses Fan-Verhalten in anderen Sportarten schon lange der Normalfall ist. Vielleicht sollten wir es also einfach als Zeichen dafür sehen, dass Beachvolleyball endgültig im Kreis der ernsthaften Top-Sportarten angekommen ist?!?

Hinzu kommt, dass die Sport-Fans in südlichen Ländern - insbesondere in Südamerika - eben doch ein wenig heissblütiger sind als in Zentraleuropa und für den Sieg ihrer Mannschaft (fast) alles tun würden. Buh-Rufe sind dort völlig normal. Das habe ich als Spieler in den 90er Jahren bei einem Spiel gegen ein einheimisches Team in Chile vor 3'000 Zuschauern selbst miterleben “dürfen”. Meine Jubelgesten Richtung Haupttribüne wurden dort lautstark beantwortet und für den restlichen Verlauf des Spiels mit Pfiffen und Buh-Rufen quittiert ;-)))

Mein Fazit: Ich persönlich würde mich freuen, wenn sich meine Tochter später als Zuschauerin nicht so verhält … aber gleichzeitig sehe ich dieses Verhalten als Beleg dafür, dass unser Sport die Menschen begeistert und Emotionen auslöst. Als Athlet sollte man es so sehen wie die 3-fache Olympiasiegerin Kerri Walsh: “I love Brazil’s fans, even if they’re not rooting for me. They bring out our best.” Und nach einer Niederlage sind auch die brasilianischen Fans meistens ziemlich leise. Ich hoffe, wir werden das mit unseren Teams hier noch überprüfen können … ;-)   







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Nadine Zumkehr, Athletin

Nadine Zumkehr, Athletin

09.08.2016

Einfach liebe Menschen ... ;-)

Heute haben Joana und ich etwas erlebt, das für mich zu den unvergesslichen "Ereignissen neben dem Sport" bei Olympia gehört. Aber der Reihe nach:
Heute war unser spielfreier Tag, an dem wir ganz klar den Kopf lüften, etwas Distanz vom Beachvolleyball gewinnen und etwas anderes erleben wollten. Wir haben Tickets für die Schwimmwettkämpfe erhalten, was wirklich cool war. Eine weitere tolle Arena und Athleten, die  alles daran setzen, an "ihrem Tag X" Bestleitungen abzurufen. Danach wollten wir im "Oakley-Safehouse" vorbeigehen, welches beim Botanischen Garten liegt. Ein Haus, zu welchem alle Oakley-Athleten Zugang haben, wo man essen, trinken, die Spiele mitverfolgen oder auch einfach relaxen kann.
Die Frage war nur: Wie kommen wir vom Olympic Park am besten dorthin? Taxi wäre einfach, dauert aber sicher ewig, da dieses die "Olympic Lane" nicht befahren darf und damit endlos im Stau stehen könnte ... also fragen wir an einem Desk mit Volunteers nach. Sie beginnen zu erklären ... zuerst aus dem Athletenbereich raus, dann rechts durch den Park laufen bis zu dem und dem Ausgang, dann links zu den Busstationen, dort den Bus zur Metrostation nehmen, dann die Metro, dann eine andere Metro und dort wieder ein Bus ... so könnte es klappen mit der angegebenen Adresse! Dauert ca. 1-2 Stunden. Na ja, gut möglich, dass unsere Blicke in diesem Moment ein kleines bisschen fragend waren ;-) Das haben die Mädels bemerkt, und kurzerhand entschieden, dass uns ja zwei von ihnen begleiten könnten. Wir meinten dann, das sei bestimmt nicht nötig, das finden wir schon (und haben uns insgeheim bereits mit dem Stau-Taxi abgefunden....)! Dann stehen jedoch schon zwei Brasilianerinnen neben uns und erklären, sie hätten eh grad frei heute Nachmittag und sie helfen uns gerne. Es folgten zwei spannende und interessante Stunden Fahrt durch Rio, wie angekündigt mit Laufen, Bus, Metro, Metro und wieder Bus ... die zwei Stunden vergingen wie im Flug, wir hatten die Gelegenheit, zwei tolle Menschen kennenzulernen! Die Girls haben uns aus ihrem Leben erzählt, wir haben uns ausgetauscht und sie haben sich am Ende tatsächlich dafür bedankt, dass sie uns begleiten durften - notabene an ihrem freien Nachmittag, an dem sie mal ausnahmsweise nicht unermüdlich im Einsatz stehen und für "gelungene Spiele" mitsorgen.
Ich hoffe wie jedes mal, wenn ich in Brasilien bin, dass ich ein kleines bisschen von dieser Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft und der Zeit für Mitmenschen mit in meinen Koffer packen und nach Hause bringen kann ... Dass wir den Weg ins Oakley-Haus gefunden haben, war das eine. Dass wir dabei so vieles über das so andere Leben der beiden erfahren durften und viel lachen konnten, dafür bin ich sehr dankbar!
In diesem Sinne als Athletin ja sowieso, aber auch neben dem Court ist es ein riesiges Privileg, Teil dieser Spiele sein zu dürfen!

 

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Sebastian Beck, Cheftrainer

Sebastian Beck, Cheftrainer

08.08.2016

Während es hier schon ziemlich spät ist, erwacht die Schweiz gerade so langsam. Ausgenommen natürlich die ganz Angefressenen unter euch, welche sich das 1. Spiel von Nadine und Jo live im TV angesehen haben. Das Resultat kennt ihr ja sicher ...

Doch nicht nur die Teams und der ganze Staff von SwissVolley arbeiten hart und intensiv für eine erfolgreiche Olympiamission. Es gibt eine ziemlich grosse Gruppe von Menschen, welche hier tagtäglich alles gibt, um Olympische Spiele zu dem zu machen, was sie sind. Nämlich der grösste Sportanlass der Welt. Doch leider bekommen diese Leute und ihre Geschichten nur sehr selten etwas von diesem Olympischen Glanz ab. 242‘757 Menschen aus der ganzen Welt haben sich darum bemüht, diesen Job machen zu können. 60% davon waren Brasilianische Staatsbürger. Die restlichen 40% setzten sich aus Bewerbern aus 191 Ländern zusammen, welche die Reise als Volunteer an die Spiele in Rio antreten wollten. Über 70‘000 Volunteers haben es schlussendlich geschafft.

Wer jetzt denkt, dass diese 70‘000 freiwilligen Helfer in luxuriösen Unterkünften nächtigen und ein gratis Olympiaerlebnis erworben haben, der hat sich mächtig getäuscht. Das Beispiel eines Volunteers aus Estland, welcher für die Schweizer Olympiamission als Fahrer zur Verfügung steht, zeigt wohl, dass diese Leute mit ebenso grosser Begeisterung zu Werke gehen, wie wir es tun. Denn wer sonst würde seine Ersparnisse von 2-3 Jahren investieren, um sich einen Flug nach Rio und ein Zimmer in einer 1.5h entfernten Favela zu mieten, um dann fast rund um die Uhr für eine warme Mahlzeit am Tag, 2 freie Tage in 3 Wochen und 2 zugeloste Wettkampftickets zur Verfügung zu stehen? Tagtäglich werden hier in Rio Spitzenleistungen erbracht – doch nicht nur dort, wo die Kameras ihr Auge drauf werfen.

Thank you Volunteers & sorry that I`m out of Pins!

PS: In Sachen Demut dürften sich viele Sportler und Betreuer eine Scheibe von den freiwilligen Helfern abschneiden!

Wir Beacher werden also weiterhin alles geben – sowohl auf als auch neben dem Platz!




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Stefan Schönenberg, Physio

Stefan Schönenberg, Physio

07.08.2016

von speziellen busfahrten, persönlichen sitzen im stadion und kurzen nächten an der copa ...

dass ich ein verhaltener brasil fan bin, ist kein Geheimnis ... trotzdem kann ich rio2016 sehr viel postitives abgewinnen ... die 7.30h-morgensitzung des gesamten medical-teams gehört nicht zwingend dazu, ist aber ein notwendiges übel, um all die athleten an den wettkämpfen mit medizinischem personal zu versorgen. auf meinem plan steht ab heute immer beachvolleyball copa ... und ich bin sicher, dass alle mich um diesen einsatzort beneiden ...

die busfahrt vom village an die copa dauert gut eine stunde ... olympic line sei dank. heute war eine spannende mischung mit an bord. nebst deutschland, österreich und schweiz - was ja meist gut-nachbarschaftlich friedlich verläuft - bringen cuba, usa, türkei, ägypten, ukraine und russland schon etwas mehr an politscher spannung mit auf die fahrt. dass die sache sehr entspannt und friedlich abläuft, ist wohl leider nur im sport möglich!

an der copa beginnt der eigentliche arbeitstag. da anouk und isa erst um 23 uhr spielen, wird es ein entsprechend langer einsatz. unser teamchef versorgt mich zwischen den behandlungen mit Nachtessen ... ganz nach dem motto: one team, one Sushi ... danke philippe, dass du so gut zu  den spielerinnen und dem staff schaust!

im stadion sind für das medical team direkt hinter der spielerbank plätze reserviert. eine spannende perspektive und sicher ein riesen privileg, von dort aus unseren beacherinnen die daumen zu drücken ...

danke für den support aus der Heimat ... wir geben unser bestes hier an der copa, bis in die frühen Morgenstunden.





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Nadine Zumkehr, Athletin

Nadine Zumkehr, Athletin

06.08.2016

Gestern fand sie also endlich statt, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele hier in Rio. Es gibt kaum Spielzeiten hier in Rio, welche für uns die Überlegung, einzulaufen, zugelassen hätten. Denn man muss lange stehen, viel warten und kommt erst relativ spät ins Bett. Zudem ist der Transport so vieler Athleten zum Stadion und zurück eine logistische Herausforderung, bei der im Vorfeld schwer einzuschätzen war, wie sie gemeistert werden wird. Im Gegenzug kriegt man natürlich eine emotionale Riesenmotivationsspritze und einen unvergesslichen Moment geboten. Als der Spielplan dann rauskam und wir gesehen haben, dass wir erst am Sonntag Abend im Einsatz stehen, haben wir doch begonnen, uns damit auseinander zu setzen. Da wir nur Abendspiele haben werden, sprich sowieso versuchen müssen, spät schlafen zu gehen und morgens lange auszuschlafen, ist der Tagesrhythmus nicht gestört durch eine Teilnahme an der Eröffnungsfeier. Ich habe mich dann hier vor Ort dafür entschieden, Joana dagegen ... mit der Abmachung, dass ich beim Einlaufen so sehr winke, damit es für Family und Freunde daheim für uns beide reicht ...;-)

Und ich muss sagen, es hat sich definitiv gelohnt!!! Der Transport hat zwar gedauert, aber geklappt, und hat die Chance geboten, mit anderen Schweizerathleten ins Gespräch zu kommen und Eindrücke auszutauschen. Die farbenfrohe und starke Feier konnten wir dann im Volleyballstadion, welches direkt neben dem Maracana steht, bequem und mit einem Snack ausgestattet, auf einem Bildschirm mitverfolgen. In alphabetischer Reihenfolge wurden dort die Länder aufgefordert, aufzubrechen und sich in die Schlange zu stellen, um ins Stadion einzulaufen. Eine schöne Stimmung, die dort geherrscht hat! Danach folgte eine lange Zeit in der Schlange, die jedoch vollgespickt mit schönen Begegnungen war. Sei es mit Teilnehmern anderer Länder, Bekannten aus der eigenen Sportart oder mit Fans und Sportbegeisterten, die entlang der Schlange standen, gesungen, getanzt und den Kontakt gesucht haben. Und dann natürlich das Einlaufen ins Stadion ... Ein Moment, der definitiv unvergesslich ist und bleibt! Ein Moment, in dem man die Luft anhält und einfach nur strahlt und geniesst! Und der definitiv viel Energie gibt!!! Angekommen in der Stadionmitte habe ich dann natürlich auch mein Handy gezückt und versucht, die Stimmung einzufangen ... ;-) wobei sich die Bilder im Herzen definitiv besser festgesetzt haben als in der Handykamera ... aber dennoch konnte ich es nicht lassen...;-)

Weil mein Fokus natürlich auf dem Wettkampf liegt, habe ich dann die Variante 'early departure' gewählt, damit ich doch noch zu angemessener Zeit ins Bett komme. Auch dieser Transport hat super gut funktioniert, da haben die Brasilianer wohl einige überrascht mit der Organisationsstruktur! Es war mucksmäuschenstill im Bus, eine schöne Atmosphäre unter Teilnehmern aus verschiedensten Ländern ... jeder hat den Moment auf seine eigene Art und Weise genutzt, um die gewaltigen Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Auch dies ein unspektakulärer, aber schöner Moment.

Rückblickend bin ich sehr dankbar für den gestrigen Abend, habe ihn in vollen Zügen genossen und das Olympische Feuer ist definitiv hier in Rio, und auch bei mir persönlich angekommen. Die Spiele können beginnen, ich freue mich!!!



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Jonas Personeni, Schiedsrichter

Jonas Personeni, Schiedsrichter

06.08.2016

Bereits am 31. Juli bin ich zu meinen dritten Olympischen Spielen geflogen. Die Nervosität hielt sich diesmal etwas in Grenzen, dafür war die Vorfreude wie bei den letzten beiden Editionen ausgesprochen gross. Geprägt von Wartezeiten und Koordinationsproblemen sind mir die ersten Tage sehr lange vorgekommen. Die Abläufe und die Zuständigkeiten waren noch nicht ganz geklärt, diese wurden jedoch von Tag zu Tag besser. Spannender wurde es bei den praktischen Tests mit den Vorbereitungsspielen. Ich war hauptsächlich als Challenge Referee im Einsatz, was ich in Rio nebst meinen Einsätzen als Schiedsrichter auch noch ausüben werde. Die letzten Instruktionen haben wir heute am Technical Meeting bekommen, wobei die Spieler mehr an unseren Uniformen interessiert waren als an den Informationen.
Krönender Abschluss des Tages war die Eröffnungsfeier. Die Stimmung vor Ort ist und bleibt das Highlight der Spiele. Ich kann es nur schwer beschreiben, aber die völkerübergreifende und völkerverbindende Freude an den Spielen und am Sport ist einfach sagenhaft. Ob in Peking, London oder Rio, ich habe die Feier immer sehr genossen. Da wir Schiedsrichter jedoch am nächsten Tag jeweils im Einsatz sind, konnte ich auch diesmal nur die ersten einmarschierenden Länder erleben. Nun geht es los, ich fühle mich bereit: Lasst die Spiele beginnen …

 

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Lothar Linz, Mentaltrainer

Lothar Linz, Mentaltrainer

04.08.2016

Heute bin ich in Rio angekommen und damit sind wir nun als Betreuer-Crew der Beachvolleyballerinnen komplett. Meine ersten Spiele für die Schweiz. Abgeflogen aus dem europäischen Sommer bei 18 Grad und Dauerregen und heute Morgen gelandet im brasilianischen Winter bei 26 Grad und Sonne. Klingt ein bisschen verdreht. Aber wir wollen uns nicht beklagen. Es gibt fürwahr schlechtere Orte für Olympische Spiele, zumal wenn man Beachvolleyball betreut. Ein Flug Frankfurt – Rio ist heutzutage ja eigentlich nichts Besonderes mehr. Aber in diesem Fall war es schon eine echte olympische Herausforderung, überhaupt in der Maschine zu sitzen. Und das kam so:
Geplanter Start war 21.55 Uhr, Boarding ab 21.10 Uhr. Ich stieg also gemütlich um 18.44 Uhr in Köln in den Zug. Um 19.30 Uhr wird mir beim Einfahren in den Bahnhof Frankfurt/Flughafen plötzlich siedend heiß klar, dass ich zwar einen Personalausweis, aber keinen Reisepass dabei habe. Puh, aber wird schon gut gehen. 19.40 Uhr: Der freundliche Herr am Check-In weist mich drauf hin, dass ich es ohne Reisepass gar nicht versuchen brauche. Dann solle ich lieber direkt auf morgen umbuchen. Mist. Erste Panik im Kopf. Auf dem Weg zum Umbuchen dann schnell zuhause die Ehefrau angerufen und sie gebeten, sich fertig zu machen, um mir möglicherweise noch meinen Reisepass zu bringen. Im Smartphone nachgesehen, dass ein Zug von Köln Frankfurt um 21.16 Uhr erreicht. 19.50 Uhr: Die Dame am Ticketschalter sagt, dass es mit diesem Zug noch klappen könne, wenn er pünktlich ist. 19.55 Uhr: Die Ehefrau angerufen, sie solle sich sofort aufmachen und versuchen, den Zug um 20.28 Uhr zu bekommen. Geschätzte Fahrtzeit zum Bahnhof etwa 30 Minuten. Das wird knapp, aber ist vielleicht zu schaffen. 20.28 Uhr: Meine Frau hat sich noch nicht gemeldet. Banges Warten. Ist das ein gutes Zeichen oder hat sie den Zug verpasst? 20.30 Uhr: der erlösende Anruf. Sie hat es auf die Minute geschafft. Durchatmen. 21.17 Uhr: Der Zug fährt im Bahnhof ein. Küsschen, kurze Umarmung, Übergabe und dann beginnt die zweite olympische Disziplin, der Mittelstreckenlauf. Über die Autobahnbrücke. Durch den Terminal. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie groß der Frankfurter Flughafen ist. 21.25 Uhr: Passkontrolle. Keine Schlange, ich komme direkt durch. 21.30 Uhr: Sicherheitskontrolle. Auch hier zum Glück kaum mehr Betrieb, innerhalb von 3 Minuten bin ich weiter. Und Endspurt. 21.35 Uhr: ich erreiche das Gate, gerade rechtzeitig zum Boarden. Kräftig verschwitzt aber erleichtert besteige ich den Flieger. Rio kann kommen ...


... und Rio hat mich mit diesem Ausblick vom Hotel empfangen.

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Jolanda Birrer, Volunteer

Jolanda Birrer, Volunteer

04.08.2016

Wenn ein lang ersehnter Traum in Erfüllung geht
Silvia Müller und ich stehen beim olympischen Beachvolleyball Event an der Copacabana als Volunteers im Einsatz. Für Silvia sind es die ersten olympischen Spiele und für mich nach London 2012 bereits die zweiten. Dass ich in Rio 2016 wieder dabei sein darf, freut mich sehr. Die Vorbereitungen für den Volunteer-Einsatz haben bereits vor zwei Jahren begonnen, als die Registrierung des Volunteer-Programms geöffnet wurde. Da Brasilien bereits in der Vergangenheit mehrere internationale Turniere abgehalten hatte, war es eher schwierig, als ausländischer Volunteer im Beachvolleyball angenommen zu werden. Dank meinen Kontakten zur FIVB erhielten wir aber schon früh unsere Teilnahme als „IF Services Team Member“ bestätigt. Für Silvia ging somit ein lang ersehnter Traum in Erfüllung, einmal die olympischen Spiele live erleben zu dürfen, und für mich war es ein weiterer Schritt Richtung Tokyo 2020.

Mein erster Arbeitstag am Tag nach dem Schweizer Nationalfeiertag
Pünktlich erscheine ich zur Arbeit um Silvia von der Frühschicht abzulösen. Unsere Arbeit besteht darin, die FIVB administrativ zu unterstützen und für Ordnung im Raum zu sorgen. Es läuft noch nicht viel. Vieles ist noch nicht installiert oder vorbereitet. Mittlerweile funktioniert das Kopiergerät und die Kaffeemaschine. Letztere installierte schlussendlich Silvia, als Schweizerin war dies kein grosser Aufwand, ist es doch eine Kaffeemaschine aus dem Solothurnischen. Mit einiger Verspätung traf meine brasilianische Arbeitskollegin ein. Es gab nach wie vor nichts zu tun. So haben wir ferngesehen, geredet und zusammen meine Hausaufgaben gemacht. Als dann alle FIVB Leute gegangen waren, durften wir Feierabend machen. Bevor ich zur Unterkunft ging, wechselte ich noch ein paar Worte mit Isa, Anouk und Seba, die auf den Bus zum Olympic Village warteten. Zum Abschluss meines ersten Arbeitstages gelang es mir sogar noch, ein Foto der olympischen Ringe an der Copacabana zu machen ohne andere Menschen im Bild zu haben.

Brasilianisch oder Englisch
Während Silvia bereits vor zwei Jahren begonnen hat brasilianisch zu lernen, habe ich mich für den Unterricht im Land entschieden. Seit zehn Tagen lerne ich jeweils zwei bis vier Stunden brasilianisch bei einer Lehrerin. Ab und zu machen wir zusammen einen Ausflug wie z. B. zum „House of Switzerland“ und „falamos português“. Die Angestellten begrüssen einen zwar mit „Grüezi“ oder verabschieden sich mit „merci beaucoup“, Antworten auf Fragen oder die Bestellung für ein Essen erfolgen dann allerdings in brasilianisch. Es ist also nicht selbstverständlich, dass in der Weltstadt Rio englisch gesprochen wird. Dies zeigt sich z. B. bei der Arbeit, am Ticketschalter, im Einkaufsladen oder im Restaurant immer wieder. Es hat sich also gelohnt brasilianisch zu lernen, denn die Mehrheit der Brasilianer spricht kein Englisch.



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Andi Eisenring, Fotograf

Andi Eisenring, Fotograf

03.08.2016

Schlittschuhlaufen in Rio? Crazy Idee, denn in ganz Brasilien gibt es keine einzige Kunsteisbahn. Halt, stimmt nicht ganz, momentan kann man in Rio tatsächlich Schlittschuhlaufen - auf der synthetischen “Eisbahn” im House of Switzerland. Am Samstag wird sogar ein “Freundschaftsländerspiel” Schweiz - Brasilien über den Floor gehen – ja, es gibt tatsächlich ein lokales Eishockeyteam, das jeweils nach .... Mexiko fliegen muss, um auf richtigem Eis trainieren zu können. Es gibt nichts, was es nicht gibt – Olympia sei Dank!
Und diesen verrückten Spass unter Palmen wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen - schliesslich beginnt in der Schweiz schon kurz nach Ende der Olympischen Spiele ... die Eishockeymeisterschaft.



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Philippe Saxer, Teamchef

Philippe Saxer, Teamchef

01.08.2016

Ready for takeoff!
Nun ist es soweit und wir stehen vor dem Abflug nach Rio. Nach eineinhalb Jahren Qualifikationszeit sind für die Athleten die Olympischen Spielen in Griffnähe. Mich freut es, mit diesem tollen Team die Reise in Angriff zu nehmen.
Hopp Schwiiiiz!


Gruppenbild am Flughafen Zürich vor dem Abflug nach Rio!

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