Leserbriefe Nach dem Schlusspfiff herrschte in der Sporthalle Wankdorf eine rundum gute Stimmung. Über 2000 Zuschauer waren vom Herrenfinal begeistert, der ein ausgeglichenes, heftig umkämpftes und auf gutem Niveau stehendes Spiel bot. Resultat bedingt waren die Lausanner Spieler wie Fans ein grosses Stück glücklicher, durften sie doch nach 13 Jahren Unterbruch erneut den Siegerpokal mit nach Hause nehmen. Und sie feierten den Erfolg noch lange. Lagen einander immer wieder in den Armen, tanzten wilde Freudentänze, umarmten Bekannte wie Unbekannte herzhaft und wurden trotz all der physischen und mentalen Anstrengungen nicht müde, den Fotografen einzeln oder als Gruppe in die Kameras zu lächeln. Die Medaillen waren längst verteilt und teils bereits eingepackt, als die Mehrheit der meist neutralen Berner Zuschauer langsam die Halle verliess. Da nahm Roger Schnegg, Direktor der SWISS VOLLEY, ohne Aufsehen eine Goldmedaille und marschierte damit unauffällig durch die Halle. Er hielt bei Georges-André Carrel an, wechselte mit ihm einige Worte und hängte ihm die Medaille um den Hals. Nach einem kräftigen Händedruck ging er weiter als wenn nichts gewesen wäre. Ich bin nicht sicher, ob diese Szene im Tohuwabohu der ausklingenden Siegerehrung von anderen Zuschauern beobachtet wurde. Von mir schon - und erst noch mit echter Freude. Vorab darüber, dass Roger mit sehr viel Fingerspitzengefühl auf diese exzellente Idee kam, im Augenblick des allgemeinen Lausanner Freudetaumels jenen auszuzeichnen, der an der Lausanner Volleyballentwicklung einen so immensen Anteil hat. Aber auch für Georges-André freute ich mich, ob soviel Hochgefühl, das er in jenen Minuten erleben durfte. Diese Beobachtung ist für mich keineswegs der Anlass um eine umfassende Würdigung seiner Volleyballaktivitäten und Verdienste zugunsten des Schweizer Volleyballs zu schreiben, diese zu gestalten ich ohnehin nicht in der Lage wäre und die deshalb allzu fragmentarisch ausfallen würde. Mir ist es aber ein echtes Bedürfnis zu erwähnen, dass, wenn sich unsere Wege in den letzten Jahrzehnten gekreuzt haben, dann waren unsere Begegnungen stets erspriesslich und ergiebig. Ob während meiner ZK-Zugehörigkeit oder an gemeinsamen Trainingslehrgängen insbesondere in Magglingen, Georges-André war stets bereit, sein immenses Know-how mit der ihm eigenen Akribie zur Verfügung zu stellen. Seine unermüdliche Hingabe für die Sache des Volleyballs wurde bald einmal auch auf Verbandsebene zum Begriff und so wurde er in verschiedene Funktionen berufen. Als kompetenter, korrekter und fachkundiger Volleyballspezialist – der wissenshungrig und unermüdlich das Neue suchte und stets zu Experimenten bereit war – hat er mich, meine Arbeit und auch jene zahlreicher anderen Volleyballbegeisterten wo er nur konnte, stets uneigennützig und tatkräftig unterstützt. Dafür gebührt ihm ein grosser Dank!
Und dir Roger, lass dir von mir für deine oben erwähnte, unprotokollarische Aktion eine virtuelle Goldmedaille überreichen! Gut gemacht Roger, vielen Dank!

Roger Schnegg hat es in seinem letzten Editorial deutlich gemacht: "Alt wird man bekanntlich erst, wenn die Träume verschwinden." Die Geschäftsstelle, der Zentralvorstand und die Regionalverbände haben in naher Vergangenheit hervorragende Arbeit zur Reorganisation von Swiss Volley geleistet. Aus einem finanziellen Fiasko heraus ist ein moderner, gesunder Sportverband entstanden - das verdient grosse Anerkennung. Parallel dazu sind die sportlichen Strukturen überdacht, Regionalzentren auf- und ausgebaut und das Förderprojekt "top talents" ins Leben gerufen worden. Die internationalen Erfolge im Beach-Volleyball sind herausragend, ausserdem hat mit der Beachvolleyball-WM in Gstaad letzten Sommer ein weltbedeutendes Sportereignis in der Schweiz stattgefunden. Und dank Montreux Volley Masters, top volley international und den Spitzenleistungen von Voléro Zürich hat die Schweiz auch im Indoor-Volleyball (einstweilen) seinen Platz auf internationalem Parkett.
Haben wir damit unsere Ziele erreicht? Ja und nein.
Denn die sportlichen Erfolge und Grossereignisse sind bislang mehr dem Pioniergeist von aussergewöhnlichen Einzelathleten, Trainern und Organisatoren als den Strukturen des Verbandes erwachsen. Und unsere Indoor-Nationalteams fristen nach wie vor ein bescheidenes Dasein. Es gibt für die besten Spielerinnen und Spieler unseres Landes bis heute zu wenig Anreize, um sich voll und ganz in den Dienst der Nationalteams zu stellen. Lohnausfallentschädigungen für Nationalspieler und echte sportliche Perspektiven müssen endlich (wieder) ein Thema sein. Natürlich verlangt niemand, von heute auf morgen eine einigermassen konkurrenzfähige "Elite" auf die Beine zu stellen, das ist nicht realistisch. Und Nachwuchsarbeit braucht Zeit, acht bis zwölf Jahre in jedem Fall. Doch scheint es mir jetzt an der Zeit, mit einem zukunftsweisenden Projekt einen Schritt nach vorne zu machen. Andere Sportarten und andere Länder haben bewiesen, dass mit der Organisation eines Grossanlasses viel Geld und Energie freigesetzt werden kann. Es ist die Zeit gekommen, die Weichen zu stellen. Das sind wir unseren jungen Hoffnungsträgern schuldig.


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